Der Streit um den Kurs der Union dauert an

Bonn, Ende Juni

Für die Rechte liegt dort das Reich des Bösen, von den Rechtsradikalen gar nicht zu reden. Kritische Zeitgeist-Beobachter sehen darin eine der produktiven Denkfabriken der CDU, von wo aus sozialdemokratische Utopien durch „Schwarze Visionen“ ersetzt worden sind. Das Konrad-Adenauer-Haus: Der Name ist zum Markenzeichen geworden.

Halb neidisch blicken die Genossen von schräg gegenüber aus dem Ollenhauer-Haus auf den häßlichen Betonklotz an der B 9 zwischen Bonn und Bad Godesberg. So effizient müßte man die eigene Partei auch mal organisieren... Die Grünen sehen neugierig hin, weil von dort aus die politischen Verhältnisse „aufgemischt“ werden. Den Rest besorgt die CSU, die Adenauer- und Ollenhauer-Haus oft für ununterscheidbar hält.

Um das Adenauer-Haus ist ein kleiner Mythos entstanden. Das hängt nicht zuletzt mit Heiner Geißler, aber auch mit seinen Mitarbeitern zusammen. Sie haben die Parteizentrale der CDU ja wirklich zum Zentrum einer modern organisierten Volkspartei gemacht. Sie haben erfolgreiche (und mißglückte) Wahlkämpfe geplant und böse Parolen ausgegeben, um Konflikt und Zwietracht zu schüren. Und sie haben mit der politischen Modernisierung ihrer Partei von oben (Stichwort: Frauen) begonnen.

Mit einer kleinen Bemerkung vor der CDU/CSU-Fraktion hat Helmut Kohl jüngst Gerüchte genährt, er wolle aus dem Dauerstreit mit diesem Parteihauptquartier, das die schärfste Klinge gegen die Schönhubers, aber auch gegen die Parteirechte führt, nun doch Konsequenzen ziehen. Als nämlich Kritik an Geißler und seinem Planungschef, Wulf Schönbohm, geübt wurde, weil der sich seit Jahren weigere, über das Thema der deutschen Einheit zu reden, griff Kohl ein: Er ärgere sich über Geißler wie seine Kritiker, aber Patriotismus sei dem Generalsekretär nicht abzusprechen. Über Mitarbeiter im Adenauer-Haus werde in der Fraktion nicht geredet, fügte er hinzu, „nicht hier, aber bald“.

Personalpolitische Petitessen?