Nach wochenlangem Hin und Her hat sich der Berliner Senat „schweren Herzens“, wie es heißt, entschlossen, den sogenannten Polenmarkt in Berlin-Kreuzberg zu verbieten. Seit Anfang des Jahres kamen – infolge vereinfachter polnischer Ausreisebestimmungen – immer mehr Polen in die Stadt, um Lebensmittel, Alkohol, Zigaretten, Tiere, Haushaltswaren, Bekleidung und allerhand Krimskrams gegen begehrte Westmark zu verscherbeln. Kunden waren überwiegend Türken, die die billigen und zum Teil kitschigen Waren besonders zu schätzen wußten.

Rund um den Markt zwischen Philharmonie und Nationalgalerie klagten freilich Einzelhändler über Umsatzrückgänge, Verwaltungen über total überlastete Toiletten in öffentlichen Gebäuden, Anwohner über verdreckte Straßen und Plätze, Kulturbeflissene über Parkplatzmangel. Obwohl aus lebensmittelrechtlichen Gründen der Verkauf von Nahrungsmitteln verboten wurde, kamen vor allem an Wochenenden regelmäßig mehrere tausend Polen in Kleinwagen und Reisebussen nach Berlin.

Der Handel nahm organisierte Formen an. Andererseits war der Markt eine Attraktion, sein multikulturelles Erscheinungsbild wurde gerühmt. Es wurde sogar daran gedacht, das Spektakel zu legalisieren. Aber das hätte auch nichts daran geändert, daß durch diesen Handel permanent gegen ausländer- und zollrechtliche Bestimmungen verstoßen wurde. Kein Zollamt wäre imstande gewesen, täglich Tausende von Einreisenden mit Zehntausenden von Gegenständen zu kontrollieren.

Am Dienstag letzter Woche kam das offizielle Verbot, das zunächst mit Flugblättern und Lautsprecherdurchsagen in polnischer und türkischer Sprache, später auch durch Beschlagnahmungen und Einreiseverbote durchgesetzt werden sollte. Das Marktgelände wurde eingezäunt. J.N.