München

Ach, war das für die CSU noch eine schöne Zeit, als Franz Schönhuber im „Franzen-Club“ des Franz Josef Strauß nur Gutes über die Partei redete. Und im Dunstkreis des großen Vorsitzenden für die CSU nur Gutes tat – als Hauptabteilungsleiter des Bayerischen Rundfunks. Heutzutage hat die Partei alles verloren: Strauß, Schönhuber und nun auch den Bayerischen Rundfunk (BR), ihren „Privatsender“.

Schon einen Tag nach dem sensationellen Erfolg der rechtsradikalen Schönhuber-Partei in Bayern (14,6 Prozent) horchten Hörer der BR-Nachrichten erstaunt auf: Ihr Sender nannte die Republikaner nicht mehr „rechtsradikal“, wie es die seriösen Münchner Zeitungen tun, sondern er verzichtete auf das entlarvende Beiwort. Schönhuber war hoffähig geworden.

Ohne Not und aus eigenem BR-Antrieb, wie sich herausstellte. Gerhard Friedl, der Politik-Chef, hatte in einer Konferenz die entsprechende „Empfehlung“ mit dem drohenden Unterton „an die zu halten ich Ihnen rate“ ausgesprochen. Mit Rückendeckung von Hörfunk-Direktor Udo Reiter, wie Friedl einst ein ergebener Zögling der CSU.

Friedls Empfehlung landete prompt als Anweisung im Journal der Nachrichtenredaktion, aus dem sich die Redakteure bei Dienstbeginn die aktuelle Sprachregelung holen. „Rechtsradikal“ ist seitdem aus den Nachrichten gestrichen. Nur in Kommentaren und Hintergrundberichten darf es weiterhin benutzt werden.

Die CSU war fassunglos. Wie konnten ihre Getreuen im Bayernfunk, die bisher den leisesten Wink der Landesleitung widerspruchslos ausführten, nun den ärgsten politischen Gegner der CSU derart aufwerten? „Ich verstehe nicht, warum ausgerechnet jetzt auf eine klare, den Zuhörer informierende Sprache verzichtet wird“, protestierte Edmund Stoiber, Mitglied des Rundfunkrates, der als Innenminister eben erst seinen Verfassungsschutz auf die neue Rechte angesetzt hatte. Und Generalsekretär Erwin Huber befand: „Ich habe keinerlei Verständnis für diese Entscheidung. Sie ist, was Inhalt und Zeitpunkt angeht, deplaziert und fatal.“ Der Verursacher Friedl antwortete lapidar: „Wir haben diese Empfehlung ausgesprochen, weil wir die übrigen Parteien ja auch nicht kommentieren.“ Er unterstellte, die Hörer wüßten längst, was hinter den Republikanern steckt. Es sei nicht mehr nötig, die Schönhuber-Partei als rechtsradikal zu bezeichnen.

Die Selbstzensur des Bayernfunks machte nicht bei den Nachrichten halt. Schon wenige Stunden nach der Friedl-Empfehlung vermißte ein freier Mitarbeiter der Bayern-Redaktion das Wort „rechtsradikal“ in der gesendeten Fassung seines Reportage-Beitrags. Und ein anderer Freier wurde belehrt, die Redaktion werde künftig auf seine Mitarbeit verzichten, wenn er die Kennzeichnung „rechtsradikal“ nicht ab sofort weglasse.