Von Mitte Juli an wird es für Bundesbürger, die in die USA fahren, in der Regel keinen Visumzwang mehr geben. Verschiedene Ausnahmebestimmungen behindern jedoch immer noch die freie Einreise.

Ein Schlußstrich nach jahrelangen Diskussionen: Westeuropäern soll jetzt die Einreise in die USA erleichtert werden. Vom 15. Juli an brauchen Bundesbürger kein Visum mehr; ähnlich sieht es für Schweizer und Schweden, Franzosen, Italiener und Niederländer aus. Statt die Einreise im Konsulat zu beantragen, müssen sie erst im Flugzeug oder auch auf dem Schiff ein entsprechendes Formular ausfüllen.

Doch die neue Regelung gilt nicht grundsätzlich. Erste Voraussetzung ist, daß der USA-Besucher mit einer Flug- oder Schiffahrtsgesellschaft reist, die ihrerseits die generelle Befreiung von der Visumpflicht für ihre Kunden beantragt hat. Rund hundert Unternehmen aus aller Welt, meist Fluglinien, haben die entsprechende Genehmigung bereits bekommen. Der Mehrzahl der deutschen Chartergesellschaften aber fehlt sie noch.

Auch der Reisende selbst muß eine Reife von Bedingungen erfüllen, wem er auf das Visum verzichten will. Er darf grundsätzlich nicht länger als neunzig Tage bleiben, muß ein Rückflugticket vorweisen und über genügend Geld verfügen – es darf also nicht der Verdacht aufkommen, daß er in den USA bleiben und arbeiten will. Diese Vermutung hegen die Amerikaner bereits dann, wenn der Besucher zwar ein Weiterflugticket besitzt, die Reise jedoch in Kanada, Mexiko oder auf einer der Inseln vor Amerikas Küste anstatt zu Hause enden soll.

„Die Regelung ist auf diejenigen zugeschnitten, die als Urlauber oder als Geschäftsreisende in die USA kommen“, sagt Hans-Christoph Minhöfer vom amerikanischen Fremdenverkehrsamt (USTTA). Teilnehmer an Austauschprogrammen und Bundesbürger, die in Amerika studieren möchten, Künstler, die in den USA auftreten wollen, und Mitarbeiter deutscher Regierungsstellen auf Dienstreise müssen immer noch ein Visum vorweisen.

Auch weiterhin behalten es sich die amerikanischen Behörden vor, mißliebigen Gästen die Einreise zu verweigern. Deshalb brauchen „Personen, die Mitglieder von subversiven oder kommunistischen oder ihnen angegliederten Organisationen waren oder sind“, nach wie vor ein Visum, wie die US-Botschaft in Bonn mitteilt. Das gleiche gilt für Besucher, die „wegen einer Straftat oder eines Verbrechens festgenommen oder verurteilt wurden“, und für Personen, die an NS-Verbrechen beteiligt waren.

Diejenigen, die innerhalb der vergangenen fünf Jahre aus den USA ausgewiesen wurden oder denen im letzten Jahr die Einreise verweigert wurde, müssen ebenfalls ein Visum vorweisen. Und auch Bundesbürger, die an einer „schwerwiegenden ansteckenden Erkrankung leiden“, benötigen eine konsularische Genehmigung. Geistig Behinderte, die in Begleitung eines Familienmitglieds oder Vormunds reisen, brauchen hingegen kein Visum.