Heinrich Lummer sagt, was er denkt, und denkt, was die kleinen Leute ihm sagen

Von Gerhard Spörl

Berlin, im Juni

Irgendwann hat ihm ein Freund das Buch „Ich war dabei“ in die Hand gedrückt, in dem Franz Schönhuber seine SS-Erinnerungen aufs unangenehmste ausbreitet, weil er noch heute findet: Aber schön war es doch. Heinrich Lummer hat darin geblättert und sich festgelesen. Ihm imponiert, daß Schönhuber sich „um eine ehrliche Darstellung bemüht“.

Natürlich war Lummer neugierig, als der Autor ihn zu sich nach München einlud. Im vorigen Herbst saßen die beiden dann zu Hause bei den Schönhubers zusammen. Sie unterhielten sich über Gott und die Welt, über Franz Josef Strauß, dem sie als Vorbild nacheifern, über die nationalkonservative Rechte, über Schuld und Sühne und wie die Deutschen beides pflichtschuldig übertrieben und welche Folgen daraus erwüchsen. Schönhuber machte Lummer das Angebot, Vorsitzender der Republikaner zu werden. Lummer lehnte ab. Später sahen sie sich noch einmal. Selber Zweck, selber Verlauf, selbes Ergebnis. Mehr war nicht, mehr ist nicht, schließt Lummer seinen knappen Rapport.

Lummer hat nie Scheu verspürt, sich mit schrägen Figuren seines Metiers gemein zu machen, um die andere einen großen Bogen schlagen. Ihm blieb auch nicht verborgen, weshalb Schönhuber gerade ihn als möglichen Überläufer ausgeguckt hatte. Um Lummer ist es zuletzt ruhig gewesen. Er sitzt einigermaßen lustlos im Bundestag, einem Gewässer, in dem er nicht frei schwimmen kann. Viel lieber wäre er in Berlin und immer noch, was er bis Mai 1986 gewesen ist: wehrbereiter Innensenator im Dauerkrieg mit der Subkultur, mit Ausländern und Asylanten.

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