Von Wolfgang G. Gibowski und Matthias Jung

Wie sieht der typische Wähler der Republikaner aus? Woher kam der Zustrom zu Schönhubers Partei?

Bei allen Analysen ist bisher ein Gesichtspunkt vernachlässigt worden. Hinter den 7,1 Prozent für die Republikaner bei der Europawahl stehen 2 005 555 Wähler, und davon kommen allein 746 886 aus Bayern. Dieser Erfolg ist somit zu großen Teilen ein bayerisches Phänomen: In Bayern erreichten die Republikaner mit 14,6 Prozent als einzigem Bundesland ein zweistelliges Ergebnis. In Bayern wohnen nur 18,1 Prozent der Wähler bei der Europawahl, aber 37,2 Prozent der Wähler der Republikaner kommen aus diesem Bundesland. In der Stadt Rosenheim erzielten sie mit 22,1 Prozent ihr bestes Kreisergebnis und werden dort stärker als die SPD.

Besonders gut schnitten die Republikaner außerhalb Bayerns nur noch in Nord- und Südwürttemberg ab. Neben Hamburg und Teilen von Niedersachsen kamen sie praktisch nur südlich des „Weißwurstäquators“ über die Fünfprozentmarke.

Diese regionale Charakterisierung trägt zur Erklärung des Phänomens mindestens ebensoviel bei wie sozialstrukturelle, politische und ideologische Ansätze. Offensichtlich ist es den Funktionären der Republikaner, die ja aus ihrer regionalen Affinität – im Gegensatz zu ihrer ideologischen – keinen Hehl machen, gelungen, die süddeutschbajuwarische Mentalität zielsicher anzusprechen. Dies wird durch die regionale Bekanntheit ihres Vorsitzenden Franz Schönhuber, der sich gern in der Rolle des einzig wahren Strauß-Nachfolgers sieht, und die im Süden bessere Organisationsstruktur noch unterstützt.

Die Erfolge der Republikaner stehen in diesen Regionen auch ganz eindeutig im Zusammenhang mit einer dort deutlich gestiegenen Wahlbeteiligung. Bei der letzten Europawahl 1984 hatte sich die Wahlbeteiligung in Bayern und Baden-Württemberg um jeweils mehr als zehn Prozentpunkte verringert; nicht zuletzt deshalb, weil damals keine Partei den Protest gegen die EG-(Agrar-) Politik hinreichend aufgegriffen hatte. Die Republikaner haben nun insbesondere in diesen beiden Ländern davon profitiert, daß dort die Wahlbeteiligung zweistellig zugenommen hat.

Gerade in Bayern wird jedoch deutlich, daß sozialstrukturelle Rahmenbedingungen die Republikaner nicht begrenzen konnten. Ihre Erfolge sind in Gegenden mit hohem Katholikenanteil genauso hoch wie in Gegenden mit niedrigem; zwischen Stadt und Land gibt es keine Unterschiede. Wir vermuten jedoch, daß dies bei einer deutlich höheren Wahlbeteiligung, wie bei Bundestagswahlen üblich, anders aussehen könnte. Bei einer aus der Sicht der Bevölkerung so unwichtigen Wahl wie der Europawahl wirken sich die sozialstrukturell verankerten Parteiorientierungen nicht so stark aus, wenn aktuelle Themen oder Protestverhalten zu Mobilisierung und höherer Wechselbereitschaft führen.