Wenn Vopos schreiben

Da freute sich der Autofahrer, als ihn der Volkspolizist fragte, warum er dreiundzwanzig Kilometer zu schnell gefahren sei. Denn er wußte eine Antwort: Er habe das Auto soeben gekauft und ein Gefühl für die Geschwindigkeit so recht noch nicht entwickelt. Da ärgerte sich der Autofahrer, als ihm der Vopo antwortete, soeben könne er das Fahrzeug nicht gekauft haben, weil er soeben in die Radarfalle gefahren sei.

Auf der Rückseite der „Ordnungsstrafverfügung“, die er sich geben ließ, fand der Autofahrer „Hinweise zur Zahlung der Ordnungsstrafe“. Nein, eine Rechtsmittelbelehrung oder die Adresse, an die er eine Beschwerde hätte richten können, fand er nicht. Also schrieb er in seiner Not an die Volkspolizei, Ortsname, DDR; und beschwerte sich über die Höhe der Strafe – mehr als hundert Deutsche Mark.

Kaum vier Wochen später erhielt der Autofahrer einen fehlerfrei getippten, anderthalbseitigen Brief auf gelblichem Papier. Seine Einwände, was die Beurteilung der Geschwindigkeitsüberschreitung betraf – und deren ironische Kommentierung –, wurden so beantwortet:

„Die Höhe der Ordnungsstrafe wird unter Berücksichtigung der zur Zeit der Begehung der Ordnungswidrigkeit vorhandenen Verkehrssituation und eventuellen Besonderheiten im Einzelfall differenziert festgelegt. (Absatz.) Diese Kriterien waren auch die Grundlage für die Ihnen gegenüber getroffene Entscheidung, die sachlich und rechtlich nicht zu beanstanden ist und daher aufrechterhalten wird. (Absatz). Diese Entscheidung ist (...) endgültig.“

Das wollte der Autofahrer wohl glauben, daß sein Fall, nämlich mal gründlich nachzufassen, ein Einzelfall war. Denn sonst wären die Herren von der Volkspolizei unter Berücksichtigung der Situation und eventuellen Besonderheiten mit Sicherheit längst dazu übergegangen, den Computer für sich schreiben zu lassen.

Korrektur

In der vergangenen Woche (ZEIT Nr. 26 auf Seite 75) stellte Rolf Zundel ein neues Buch vor. Bei der Angabe des Titels ist uns ein Fehler unterlaufen: Er lautet nicht „Schaff’s gut, Zocker!“, sondern „betrifft: Anonyme Alkoholiker. Selbsthilfe gegen die Sucht“ – von Horst Zocker, Verlag C.H. Beck, München 1989; 152 Seiten, 14,80 Mark.