ZEIT: Herr Lorenzen, die Tarifverträge im Einzelhandel sind unter Dach und Fach. Im Grundsatz soll es nun beim Ladenschluß um 18.30 Uhr bleiben. Nur zur "Vermeidung wesentlicher spatöffnungsbedingter Wettbewerbsnachteile" darf davon abgewichen werden. Fühlen sich die Arbeitgeber nun als Sieger oder als Besiegte?

Lorenzen: Es wird schwer sein, diese Frage eindeutig mit ja oder nein zu beantworten. Betriebe ohne Betriebsräte können teilnehmen, auch wenn die Wettbewerbssituation es nicht erfordert. Darüber hinaus ist sichergestellt, daß mitbestimmte Betriebe, die an diesem Dienstleistungsabend teilnehmen wollen, das auch können, wenn die Wettbewerbssituation es erfordert.

ZEIT: Wie lassen sich denn Wettbewerbsnachteile feststellen? Gibt es von beiden Seiten akzeptierte Kriterien?

Lorenzen: Nein, die gibt es nicht. Nur, der Begriff Wettbewerb ist eigentlich ganz eindeutig. In dem hartumkämpften Markt des Einzelhandels in der Bundesrepublik ist jede Abendöffnung, sei es durch ein Einkaufscenter, sei es durch eine Passage, sei es durch irgendwelche Mitbewerber auf der grünen Wiese bereits eine Beeinträchtigung des Wettbewerbs. Und es gibt gar keinen Zweifel daran, daß sich diese Konkurrenten geschlossen am Dienstleistungsabend beteiligen werden. Darauf müssen wir reagieren.

ZEIT: Und wenn es Meinungsverschiedenheiten zwischen Unternehmen und Betriebsrat gibt?

Lorenzen: Ich hoffe auf die Einsicht der örtlichen Betriebsräte. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, daß Betriebsräte, wenn sie sehen, wie rings um sie herum die Geschäfte geöffnet sind, auf ihrem Standpunkt bleiben, wir tun es nicht. Zunächst einmal sägen sie den Ast ab, auf dem sie selbst sitzen, denn es sind ihre Arbeitsplätze, die verlorengehen. Und zweitens halte ich die Imageschädigung, die durch NichtÖffnung der Geschäfte am Dienstleistungsabend beim Kunden entsteht, für weitaus gefährlicher.

ZEIT: Wird es künftig mehr Arbeitsplätze im Einzelhandel geben?