Vor zwei Jahren erhielten wir traurige Nachricht aus Wiederstedt, Kreis Hettstedt, DDR: Ein Schlößchen aus uralter Zeit, so bericnteten Reisende, verfalle dort, der Abbruch sei beschlossen. Ein Schlößchen ohne große kunsthistorische Bedeutung, nun ja, vielleicht. Und doch ein Stück kulturellen Erbes einmaliger Art: Das Haus nämlich, in dem am 2. Mai 1772 Georg Friedrich Philipp von Hardenberg geboren wurde – Novalis.

Nach dem ersten deprimierenden Bericht kam jedoch plötzlich frohe Kunde aus der kleinen Stadt bei Eisleben. Wunder über Wunder – wer auch immer in letzter Minute die Hand gehoben hat, Dank sei ihm: Der kostbare Ort wurde gerettet, der Abrißbagger gestoppt.

Ja, bald schon blühte neues Leben aus der Ruine: Junge Leute machten sich nach Feierabend an den Wiederaufbau. Ein Novalis-Museum sollte in den historischen Räumen eingerichtet werden, auch ein Kulturzentrum, ein kleines Café. Und es gelang: Vor wenigen Wochen wurde der „1. Bauabschnitt“ eingeweiht, die Novalis-Räume. Bilder und Dokumente erinnern jetzt in den sorgfältig gestalteten Zimmern an den herrlichen Denker, den wundersamen Träumer und Sprachmagier, der 28 Jahre jung starb, dessen Name sich aber wie kein anderer mit dem Geisterreich der deutschen Romantik verbunden hat. In einem der Räume bezeichnet – ähnlich wie im Bonner Beethoven-Haus – eine wuchtige Büste den Ort, an dem er zur Welt kam.

„Das Schloß“, erklärte der SED-Sekretär der Bezirksleitung Halle, Klaus Bernhard, bei der feierlichen Eröffnung, „erhielt wieder eine Perspektive, weil die Bürger es so wollten.“ Doch für die Wiederstedter Bürger bleibt noch viel zu tun: Der alte Park, Kirche und Friedhof sind in einem traurigen Zustand, und des Engagements wohl wert – nicht nur Novalis zu Ehren. B. E.