Hamburg

Manchmal kommt Winfried Steffani die Galle hoch: „Ich bin als der CDU-Mann in der Hamburger Uni immer respektiert und auch angegriffen worden. Ich halte also meinen Buckel hin für die CDU, da können die doch nicht so ruppig mit mir umgehen.“ Seit 1955 ist der Politologie-Professor Mitglied der Union. Doch die Begeisterung für die Hamburger Christdemokraten ist ihm inzwischen vergangen: „Daß die mich jetzt hier vor ein Parteigericht ziehen, finde ich dreist.“

Kürzlich war Parteigerichtstermin. Es ging um den „Gesprächskreis für christlich-demokratische Politik in Hamburg“, deren Mitinitiator Steffani ist. CDU-Geschäftsführer Wulf Brocke sagt über diesen Gesprächskreis: „Die Leute mißbrauchen unseren Namen.“ Steffani hingegen sieht „keinen Grund, weshalb wir uns anders nennen sollten“. Das Parteigericht verschob seine Entscheidung; im Herbst gibt es einen neuen Termin.

Die Parteioberen stört wohl weniger der Name des Gesprächskreises als der Inhalt, den er transportiert. Aufgeschreckt durch die Barschel-Affäre im benachbarten Schleswig-Holstein, haben sich in der Hamburger CDU Streiter für „Glasnost“ zusammengefunden. Etwa achtzig Mitglieder und Sympathisanten wollen verkrustete Strukturen des Landesverbandes aufbrechen, und dabei werden auch ordentliche Gerichte bemüht.

Als sich der „Reformer“ Leonhard Hoffmann bei der Vertreterversammlung zur Wahl des Hamburger Spitzenkandidaten für das Europaparlament Anfang des Jahres durch Diskussionsbeiträge „fatal an den Volksgerichtshof erinnert“ sah, brach ein Tumult im Tagungssaal aus. „Buhrufe, Pfeifkonzerte und unchristliche Anmache“ registrierte die Morgenpost, „so etwas hatte die behäbige Elb-CDU noch nie erlebt“. Ein Parteimitglied versuchte, Hoffmann vom Rednerpult zu zerren, doch dieser wehrte die handgreifliche Attacke ab.

„Die Rebellen probten den Aufstand“, schrieb anderntags das Hamburger Abendblatt aber die Revolte scheiterte mangels Masse. Daß sich die Reformer in der Partei nicht durchsetzen können, liegt ihrer Meinung nach vor allem an der Machtfülle des Landesvorsitzenden Jürgen Echternach, der ein Netz von Abhängigkeiten durch alle Gremien geknüpft habe. „Wer einmal gegen Echternach gesprochen hat, ist erledigt“, stellt der Staatsrechtsprofessor Karl Albrecht Schachtschneider fest.

Der 51jährige Echternach führt die Hamburger CDU seit 1974 an straffen Zügeln. Dabei erkennen Freund und Gegner an, daß er die einstige hanseatische Honoratioren-Union zu einer 15 000 Mitglieder starken Partei mit 52 Ortsverbänden gemacht hat, die zwar der SPD die Regierungsverantwortung nicht abnehmen, aber immerhin bei zwei Bürgerschaftswahlen stärkste Partei werden konnte.