In Ställe gezwängt, aus Silos gefüttert, von Parasiten befallen und in Pestiziden gebadet werden Lachse im Meer wie Schweine gemästet

Von Rainer Luyken

Die schottische Küstenstraße A 816 von Glasgow führt zwischen kleinen Seen und farnüberwachsenen Hügeln durch wildes Moorland in Richtung Norden. Hin und wieder wird der Blick auf das Meer frei, auf eine felszerrissene Küste mit tief in das Hinterland reichenden Buchten. In Oban dümpeln ein paar Küstentrawler am Pier. Ein rußverschmutzter Zug fährt ratternd in die kleine, viktorianische Bahnstation neben dem Hafen ein. Das Fährschiff zu den Äußeren Hebriden, den westlichsten der britischen Inseln, legt ab.

Am Ortsende von Oban zweigt ein einspuriges Sträßchen nach Ganavan ab. In Ganavan hört die Straße auf. Hier, am Ende der Welt, liegt eine merkwürdige Stahlrohrkonstruktion auf dem Strand, hoch wie ein Haus. Ein gewaltiger hydraulischer Kran setzt Bauteile in das bizarre Gebilde. Ein paar Touristen stehen davor und rätseln, wofür es wohl gut sein könnte.

„Ein Aussichtsturm“, mutmaßt einer. „Ein neues McDonald’s“, witzelt ein anderer.

Es ist weder das eine noch das andere. Die Stahlrohrkonstruktion ist ein „Farmocean See-Käfig“. Er gehört der Firma Stirling Aquatech. Nach der Montage wird er aufs Meer geschleppt, mittels eines eingebauten Ballastsystems abgesenkt, bis nur noch die Hälfte davon aus dem Wasser ragt, und vor der Landspitze Rubha na Liathaig verankert. Dann soll ein Tankschiff längsseits festmachen und über eine Rohrleitung 70 000 fingerlange Junglachse in die Nylonnetze des riesigen Käfigs pumpen. Auf der Spitze des kegelförmigen Fisch-Stalls wird ein computergesteuerter Futtersilo stehen, aus dem Fertigfutter, zu Würstchen ähnelnden pellets gepreßt, in den überdimensionalen Käfig rieselt. Über Unterwasserkabel mit dem Land verbundene Fernsehkameras überwachen die gemästeten Lachse. Im nächsten Frühling beginnt das große Schlachten.

Der haushohe Käfig ist nur das kleine Standardmodell neuartiger Industrieanlagen auf dem Wasser. Vor der irischen Insel Inisheer, Szenerie mystisch-romantischer Poesie des Nationaldichters William Butler Yeats, verankert die Firma Bradan Ur Atlantach ein 126 Meter langes „Farmschiff“. Es sieht aus wie ein klobiger, aus der Form geratener Öltanker. In zwölf riesigen, in dem Schiff aufgehängten Käfigen werden hier 500 Tonnen Zuchtlachs pro Jahr aufgezogen.