Wenn Zahlen ins Unvorstellbare wachsen, verlieren sie ihre Magie. Dann werden Milliarden zusammengezählt wie anderenorts Kartoffeln. So ist wohl die nüchterne Gelassenheit zu verstehen, mit der die Zeitungen einen wahrhaft umwälzenden Beschluß der deutschen Sparkassenorganisation kommentierten: die Schaffung eines gemeinsamen Spitzeninstituts.

Doch was die Sparkassen da am letzten Augusttag des Jahres beschlossen, wird nicht nur sie selbst und ihre Konkurrenten, sondern die gesamte deutsche Öffentlichkeit in den nächsten Jahren beschäftigen. Die größte Gruppe im deutschen Kreditgewerbe zeigt ihre Muskeln; sie geht daran, eine Bank aufzubauen, die alles bisher Dagewesene in der Bundesrepublik in den Schatten stellen soll. Ein Institut mit einer Bilanzsumme von 600 oder vielleicht gar 700 Milliarden Mark findet außerhalb Japans sonst nirgends in der Welt seinesgleichen.

Die Gründe ihres Tuns mögen die Sparkassen bei ihrem Beschluß wohl bedacht haben; die geplanten Vorteile eines solchen gigantischen Spitzeninstituts für sie selbst und ihre Kunden mögen überzeugen. Nichts spricht dagegen, wenn die Sparkassenorganisation ihre Mittel effizienter einsetzen und rentabler wirtschaften will. Aber was sie damit wirklich hierzulande in Gang setzt, kann heute niemand abschätzen. bm