Von Luzia Braun
Alles ist steif: mein gestärktes Kleid, die Tischdecke, die Tafelrunde. Ich bin zum ersten Mal zur heiligen Kommunion gegangen und bin stolz. Zwischen der 2-Uhr-Andacht und dem abendlichen Kirchgang liegt das Kaffeetrinken im Hotel Löwen. Meine Mutter, s’Klärle, sitzt am Tischende, du ihr gegenüber. "Klllä, Klllä, Klää", platzt du mitten ins Schweigen am Tisch. Dein Brustkorb hebt sich, deine Augen weiten sich, und wir Kinder wissen: Jetzt passiert’s. "Klär- Klär- Klär-anlage", rufst du der Mutter zu, "gib mir a mol a Stuck vo dem vokrotene Kuchä." Wunderbar. Wir Geschwister schauen uns strahlend an: Auf Onkel Fritz ist halt Verlaß. Wie heiße Kartoffeln dreht er die Buchstaben im Mund herum, und merkwürdigerweise sind sie gerade dann, wenn er sie ausspuckt, am heißesten.