Der Stoßseufzer kam Bonns Oberbürgermeister Hans Daniels von Herzen. Da könne der Staat als Bauherr nur vor Neid erblassen, meinte der Christdemokrat mit einem Seitenhieb auf die Endlos-Baustellen des Bundestages und des Städtischen Kunstmuseums, als er kürzlich beim Richtfest des „Maritim Hotel & Congress Centrums“ Bonn sein Grußwort sprach.

Während in der Bundestags-Baugrube der Ärger schneller wächst als der neue Plenarsaal, gedeiht der Mammutbau an der B 9, der Bonner „Diplomatenrennbahn“, so prächtig, daß die Handwerker die schon kurze Soll-Bauzeit von neuneinhalb Monaten vermutlich noch unterschreiten werden. Spätestens an Silvester sollen die Sektkorken zur Eröffnung knallen.

Eile ist geboten bei dem Riesenkomplex, der das zweitgrößte Hotel Nordrhein-Westfalens und zugleich das größte Kongreß- und Tagungszentrum an Rhein und Ruhr in sich vereinen wird. Im kommenden Frühjahr schon ist das „Hotel & Congress Centrum“ Veranstaltungsort der nächsten KSZE-Nachfolgekonferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa.

Gastgeberstadt solcher Großkonferenzen zu sein, war für Bonn bislang illusorisch. Auf den Landkarten der Kongreß- und Tagungsveranstalter war die Bundeshauptstadt nur Provinz. Mit der Beethovenhalle und der Bad Godesberger Stadthalle läßt sich so recht kein Staat machen. Auch das knappe Hotelangebot war alles andere als „hauptstädtisch“.

Das soll sich nun gründlich ändern. Bonn erlebt derzeit einen nie dagewesenen Hotelbauboom. Innerhalb eines Jahres eröffneten mit dem neuen „Steigenberger“ auf dem Venusberg, dem „Residence“ am Kaiserplatz und dem „Scandic Crown“ am Rheinufer gleich drei neue First-class-Hotels, die sich mit in neuester Technik ausgestatteten Tagungsräumen auch für Großveranstaltungen empfehlen. Die Maritim-Kette rückte dem Regierungsviertel schon im vergangenen Winter nahe, mit einem Tagungshotel im benachbarten Königswinter. Die Erfolgschancen für das neue Maritim-Großprojekt nahe den Schalthebeln der Macht stehen dank öffentlicher Unterstützung gut. Über ein Drittel der Gesamtkosten von rund hundert Millionen Mark schießt die Stadt Bonn in Erwartung einer kräftig sprudelnden neuen Steuerquelle zu. Die Rechnung könnte aufgehen: In den vergangenen Jahren mußten die Bonner allzu oft absagen, wenn Verbände, Parteien, Organisationen oder Konzerne mit dem Wunsch aufkreuzten, im unmittelbaren Dunstkreis der politischen Machtzentrale zu tagen. Daß der Nachholbedarf groß ist, erfahren die Maritim-Manager schon im Rohbaustadium ihres „Hotel & Congress Centrums“; wie ein Konzernsprecher mitteilte, liegen bereits Buchungen für Kongresse und Tagungen bis zum Jahr 1995 vor.

Zur Verfügung stehen demnächst ein großer Fest- und Kongreßsaal für bis zu 3000 Personen, vier Säle von 200 bis 500 Quadratmetern sowie elf kleinere Bankett- und Konferenzräume. Gestreßte Konferenzteilnehmer, die eine Pause nötig haben, gelangen mit dem Hotellift zu den 412 Zimmern, 39 Suiten und vier Luxussuiten. Damit sich alle Gäste wohlfühlen, wurde sowohl für Körperbehinderte als auch für besonders gefährdete Politiker Vorsorge getroffen.

Auch sonst soll es an nichts fehlen. Der noch recht klobig erscheinende Hotelkomplex erhält laut Maritim „eine der exklusivsten Fassaden, die je in Deutschland entstanden sind“, und bei der Inneneinrichtung, so das Firmenversprechen, „wird an nichts gespart“. Dafür hat das Tagen im Regierungsviertel dann auch seinen Preis: Das billigste Einzelzimmer wird zwischen 199 und 330 Mark kosten, eine Suite bis zu 2200 Mark.