Noch bis zum 26. November wird in Hildesheim eine eindrucksvolle Ausstellung gezeigt: „Die Mongolen – Kunst und Kultur eines alten Reitervolkes“. Schon im Frühjahr war sie in München zu sehen, mit 300 Exponaten aus den Museen in Ulan Bator, der Hauptstadt der Mongolischen Volksrepublik. Für Hildesheim hat Arne Eggebrecht, der Direktor des Roemer- und Pelizaeus-Museums, die Ausstellung um mehr als hundert Stücke aus europäischen Museen erweitert.

Seit der Eröffnung Ende Juli kamen 30 000 Besucher. Das sind nicht wenige, aber doch bei weitem nicht so viele, wie in den vorausgegangenen Jahren zu den archäologischen Ausstellungen über Ägyptens Götter und Pharaonen, über Sumer, Assur, Babylon, über Glanz und Untergang des Alten Mexiko nach Hildesheim gekommen waren.

Daß die Mongolen offenbar nicht so anziehend wirken, hat einen einfachen Grund: Die meisten Menschen wissen von ihnen zu wenig, und was sie über sie in der Schule gelernt haben, ist noch dazu negativ akzentuiert. Zum Beispiel ihr plötzlicher Einbruch nach Europa im 13. Jahrhundert bis nach Schlesien, wo sie 1241 bei Liegnitz ein deutsches Ritterheer besiegten, sich dann aber – wegen dynastischer Erbfolgefragen in der Heimat – wieder zurückzogen. Im Abendland blieb die Furcht, anknüpfend an die alte Furcht vor den Hunnen, die Jahrhunderte zuvor ebenfalls ganz plötzlich aus dem fernen Osten nach Europa gestürmt waren.

Zwar waren die Mongolen nicht die direkten Nachkommen der Hunnen, aber die Furcht vor ihnen schien berechtigt. Immerhin waren sie im 13. Jahrhundert, nachdem Dschingis Khan sie geeint hatte, sehr mächtig. Damals beherrschten sie ein Weltreich, das sich von China, das sie erobert hatten, bis hinein nach Osteuropa erstreckte.

Als die „barbarischen Horden“ der Mongolen, die zu der Zeit auch Tataren genannt wurden, vor den Toren Wiens standen, galten sie den Abendländern als Antichristen, als ein Volk, das direkt aus der Hölle kam und das Ende aller Zeiten ankündigte. Zwar besuchten schon damals europäische Reisende das Land der Mongolen – Carpini, Rubruk, Marco Polo –, und schon bald war in ihren Berichten zu lesen, daß die Mongolen keineswegs wie Tiere lebten, sondern eine hohe Kultur hatten, ein streng organisiertes Heer, große Städte, ein Straßennetz und merkwürdigerweise Papiergeld und manch andere Wunderdinge mehr. Doch die Masse der Abendländer konnte noch gar nicht lesen.

Und selbst heute, da alle lesen oder doch fernsehen können, wissen die meisten Menschen über die modernen Mongolen, über ihr Land und wie sie dort leben, kaum mehr. Das war ja der Ausgangspunkt für die Initiatoren dieser Ausstellung, mit der dem europäischen Publikum Kunst, Kultur und Geschichte der Mongolen nähergebracht werden soll. Und die Mongolen waren sofort bereit, bei der Realisierung dieser Idee mitzumachen. Sie sehen darin die Chance, mit Westeuropa, vor allem mit der Bundesrepublik, kulturelle und wirtschaftliche Beziehungen zu knüpfen.