Einige unternste, aber innovative Ratschläge für Finanzminister

Wirtschaftlich vernünftig Denkende wissen ganz genau: Gewinne, die auch in Zukunft fließen sollen, können nur mit zukunftssicheren Produkten oder Dienstleistungen erwirtschaftet werden. Das allgemeine unternehmerische Erfolgsrezept, Produkte und Dienstleistungen deshalb den wechselnden Verbrauchergewohnheiten anzupassen, haben umsichtige Politiker natürlich längst auch in ihrem Repertoire.

Das ist ganz wichtig, um eine langfristig sichere Basis für die notwendigen Staatsausgaben zu schaffen. Die Politiker in den Gemeinden haben es da besonders leicht. Sie haben ein Steuer(er)findungsrecht. So entstand die Hundesteuer. Und die Kreativität der Gemeinderäte ist noch gar nicht ausgeschöpft. Da bliebe da noch die Wellensittich-, Katzen-, Pferde- und Zierfischsteuer. Von den ungeahnten Anknüpfungstatbeständen anderer Besitzgüter wie Fahrräder, Roller-Skates oder Skateboards ganz abgesehen. Alles wird schließlich in der tapferen Gemeinde ge- und benutzt.

Der Bund hat es da schwerer. Er kann bisher nur an die klassischen Tatbestände Verbrauch (Brandwein), Leistung (Einkommen, Gewinn) oder Kapital (alle Vermögen und Erbschaften) anknüpfen. Und die gerade diskutierte Öko-Steuer ist das Gegenteil des klassischen Prinzips, nach dem Unternehmer und Politiker langfristig ihre Einnahmen sichern. Die Umwelt schützen und den schädlichen Verbrauch besteuern – dabei kann der Staat nur pleite gehen. Denn die Menschen verhalten sich immer umweltfreundlicher, ja vielleicht eines Tages sogar völlig schad(stoff)los. Alles wäre ökologisch. Und das Staatssäckel bliebe dann leer.

Doch es gibt einen innovativen und systemgerechten Ausweg aus der Krise: die Freizeitsteuer. Umfangreiche Marketingstudien haben nämlich ergeben, daß der Mensch immer weniger arbeiten will. Die Kehrseite ist mehr Freizeit. Da sind wir Deutschen wieder einmal besonders fortschrittlich. Wir arbeiten jetzt schon 500 Stunden weniger als die Japaner. Und die Gewerkschaften liegen voll im Trend. Sie kommen, marketingerfahren wie keine andere Organisation, den Bedürfnissen des Menschen frontal entgegen. Die 30-Stunden-Woche steht auf dem Panier. Hier können unsere wirtschaftlich erfahrenen Politiker nicht länger abseits stehen. Wenn die Besteuerung der Leistung nichts mehr bringt, weil Leistung out ist, dann muß man die Anti-Leistung, die Freizeitbeschäftigung besteuern. Das ist innovativ, marktgerecht und zukunftssicher.

Die Leistung wird – da als Wirtschaftsfaktor unbedeutend – steuerfrei. Wer arbeitet denn heute noch für versteuerten Lohn oder Gewinn? Die wahre Entfaltung des Menschen, die lang angestrebte Selbstverwirklichung findet schon längst außerhalb der antiquierten Arbeitsverhältnisse statt. Wenig arbeiten und fit sein für die Freizeit ist in. Nur Grufties rackern sich noch unökonomisch ab. Wer arbeitet, bekommt nur 44 Prozent netto. Wer nicht schafft, ist intelligenter. Er spart 56 Prozent Steuern. Und da sieht doch jeder, wo es sich lohnt, aktiv zu sein.

Anknüpfungspunkte sind genug da. Jeder Fuß-, Tennis- oder Volleyball wird mit einer Abgabe belegt. Dasselbe gilt für Turnhosen und -schuhe. Schwimmen im eigenen Pool kann nicht länger kostenlos sein. Und das Rasenmähen muß endlich entsprechend belastet werden. Viele Probleme wären gelöst. Endlich können die Menschen weniger arbeiten, ohne dadurch den Staat zu schädigen. Die ständigen Leistungsappelle der Politiker gehören endlich der Vergangenheit an. Die Gewerkschaften steuerten zu Recht die 20-Stunden-Woche an. Und keiner mehr würde über Ungerechtigkeiten klagen. Die Umwelt könnte wirksam geschützt werden. Die wenigen, die im Betrieb arbeiten, richten doch keinen Schaden an. Aber die Reiter, Läufer und Moto-Cross-Fahrer, das sind doch die, die wirklich unsere Wälder und Auen ruinieren. Das ist praktizierte Ökologie.