Mit Beginn des Winterflugplans Ende Oktober führt die Deutsche Lufthansa (LH) auf allen innerdeutschen und europäischen Linienflügen ein neues Dreiklassenkonzept ein.

Das Grummeln der vollzahlenden Flugpassagiere, die auf Deutschlandrouten und im Europaverkehr in der Touristenklasse neben dem Passagier mit Billigticket sitzen mußten, konnte die Deutsche Lufthansa nicht überhören. Jetzt hat man die Konsequenzen gezogen. Statt des wenig erfolgreichen „Euroclass“-Systems (nur erste und Touristenklasse) bietet die Airline vom 29. Oktober an in allen 107 Flugzeugen, die innerhalb Deutschlands und Europas eingesetzt werden, ein neues Dreiklassenkonzept an – mit First Class, neu eingeführten Business Class sowie Economy Class als dritter Klasse. Damit will die Fluggesellschaft besonders dem vollzahlenden Geschäftsreisenden entgegenkommen. „Unser Ziel ist es“, so LH-Vorstandsvorsitzender Heinz Ruhnau in Frankfurt, „die beste Business Class in Europa zu schaffen.“

Die wird sich allerdings nicht durch die Bestuhlung – über 81 Zentimeter Sitzabstand – von der Economy Class unterscheiden, denn je nach Bedarf kann die Business Class durch einen versetzbaren Vorhang verkleinert oder vergrößert werden. Garantiert aber ist in jedem Fall die „physische Trennung von den Sondertarifen“, so LH-Vorstand Frank Beckmann. Der Geschäftsreisende, so die Erkenntnis, müsse exklusiv behandelt werden. Immerhin stellen die vollzahlenden Geschäftsleute 69 Prozent aller Fluggäste im grenzüberschreitenden Europaverkehr. Und denen konnte die Lufthansa bislang keine adäquate Leistung bieten.

Um dies nun zu erreichen, offeriert die LH für die umworbene Kundenschicht eine ganze Palette von neuen Serviceleistungen. So wird der Business-Traveller mit Handgepäck in Zukunft nicht nur einen gesonderten Express-Checkin-Schalter auf allen größeren deutschen Flughäfen finden, bei grenzüberschreitenden Tagesreisen kann er sich auch gleich die Bordkarte für den Rückflug ausstellen lassen. Nach dem separaten Boarding – nach der Economy und vor der First Class – erhält der Business-Class-Flieger bei grenzüberschreitenden Flügen kostenlos Champagner und edlere Weine als bisher eingeschenkt, und zwar nicht mehr in Pappbecher, sondern in Gläser. Bei einer Flugzeit von mehr als drei Stunden, zum Beispiel nach Israel oder Nordafrika, hat der Geschäftsreisende künftig die Wahl zwischen zwei warmen Hauptgängen, während sich der Sondertarif-Flieger mit einer warmen Mahlzeit, noch dazu auf einem kleineren Tablett serviert, zufriedengeben muß. Auf den längsten innerdeutschen Strecken (von Hamburg nach München zum Beispiel) wird jetzt auch eine kalte Mahlzeit serviert, wobei der Geschäftsreisende ein qualitativ besseres Essen erhält. Damit auch der höhere Servicestandard gehalten werden kann, setzt die LH auf kurzen und auf Strecken mit einem hohen Anteil an Vollzahlern jeweils einen zusätzlichen Flugbegleiter ein.

Dem Diktat der Nichtraucher hat sich die Airline noch nicht gebeugt Auch in Zukunft wird es im grenzüberschreitenden Verkehr sowohl in der Business als auch in der Economy Class Raucherzonen geben. Die könnten nach einer Testphase allerdings auf den innerdeutschen Strecken abgeschafft werden.

Mehr Betreuung auf dem Boden läßt die Lufthansa allen Passagieren zukommen. Eine verstärkte Anzahl von sogenannten Service-Assistenten soll sich der Irrläufer auf den Flughäfen annehmen.

Verbessert wird auch der Service vor dem Abflug zu deutschen Zielen. Ganztägig liegen nun die Snackbeutel sowie regionale und überregionale Zeitungen aus.

Rund 100 Millionen Mark waren der Lufthansa die Neuerungen wert, wobei allein 45 Millionen in das verbesserte Bordangebot gesteckt wurden. Rainer Schauer