Von Michael Stührenberg

Er stammte von Zigarren, nicht von Kanonen, der blaue Rauch, der am Dienstag vergangener Woche unter der Decke des Pariser Nachtclubs "Castel" hing. Und dennoch war es eine heiße Schlacht, die da zwischen Cocktails, Büffet und Saint-Germain-Schickeria geschlagen wurde. Die Kontrahenten: Kuba und Davidoff, genauer gesagt, der sozialistische Staatsbetrieb Cubatabaco in Havanna und der kapitalistische Konzern Oettinger Imex AG in Basel.

Der Schweizer Tabakmulti zählte nicht zu den Gästen im fernen Nachtclub. Vom Gastgeber, Cubatabaco-Chef Francisco Padrón, wurde er denn auch mit keinem Wort erwähnt. Jedermann ahnte indes, daß hier das Ende des Tabak-Imperialismus gefeiert werden sollte, und ganz in diesem Sinne schrieb ein Gast ins goldene Buch der Veranstalter: Cuba sí, Davidoff no!

Beim Schweizer Konzern, der seit zwanzig Jahren unter dem Namen Davidoff Havannazigarren der Luxusklasse verkauft, ist man auf die Kubaner nicht mehr gut zu sprechen. Oettinger-Boß Ernst Schneider klagt heute gegen seine ehemaligen karibischen Partner wegen "Vertragsbruch" und "unlauterer Konkurrenz". Der greise Zino Davidoff, Schneiders Sozius und "größter Tabakkenner und -mischer, den ich kenne", begründete seinerseits die Scheidung durch "Qualitätsverlust" der kubanischen Ware.

Tatsache ist, daß es Oettinger war, der im September vergangenen Jahres den Vertrag mit Cubatabaco fristlos kündigte. Der Baseler Konzern hatte sich beim Lieferanten schon des öfteren über ein zu dunkles Deckblatt beschwert. Die Kubaner hätten zwar die beanstandete Ware zurückgenommen, sie dann aber in Länder verkauft, in denen Davidoff ein Verkaufsmonopol habe, klagt Oettinger.

Cubatabaco scheint seinerseits nicht unglücklich über den Bruch mit Oettinger. Die Schweizer hätten mit ihrem "Jet-set-Spleen" eine katastrophale Preispolitik betrieben, meinen die Kubaner. So etwa hätten sie in Frankreich die Havannas der berühmten Chäteaux-Serie – benannt nach erlesenen Bordeaux-Weinen wie Château Lafite oder Château Margaux – bis zu 150 Prozent über ihrem Wert vermarktet. Das habe zwar eine kolossale Gewinnspanne für Oettinger gebracht, gleichzeitig jedoch auch Verdruß beim Verbraucher und einen Verkaufsrückgang von ursprünglich 800 000 auf nunmehr 200 000 Zigarren pro Jahr. Ein um so bedenklicheres Ergebnis, als Frankreich nach Spanien der zweitgrößte Abnehmer von Havannas sei.

Cubatabaco fordert nun den Markennamen Davidoff für sich, in dem festen Glauben, alle diesbezüglichen Rechte 1983 vertraglich von Oettinger zugesichert bekommen zu haben. Doch der betreffende Vertrag scheint wertlos zumindest nach Schweizer Recht, wonach eine Marke nicht unabhängig von der dazugehörigen Firma abgetreten werden kann. Um diese und andere Probleme soll es nun vor Gericht gehen. Die juristischen Scharmützel um Namen und Verkaufsrechte sind indessen nur der Anfang einer entscheidenden Wende auf dem Havanna-Markt. Denn die Kubaner möchten das Millionengeschäft mit ihrem qualmenden Wahrzeichen stärker unter eigene Kontrolle bringen. Im "Castel" stellte Cubatabaco ihre creation für den kapitalistischen Raucher vor: die Super-Zigarre Cohiba, la crème de la crème, und mithin besser als Davidoff.