Zuerst haben wir natürlich höhnisch gelacht, aber dann hat es uns plötzlich gepackt: DAS GRAUEN. Denn wenn zwei Weltkapazitäten wie Tass (Moskau) und Professor Kaminski (Bochum) die Sache ernst nehmen, dann muß sie ernst sein. Grauenvoll ernst.

Daß die Außerirdischen, die in der vergangenen Woche in jeder ernstzunehmenden deutschen Zeitung niedergegangen sind, einerseits nur 1,35 Meter hoch sind, keine Haare und drei Finger haben und in Ohio/USA gefangengehalten werden, daß sie andererseits über drei Meter messen, drei Augen und vier Ohren haben (oder war es umgekehrt?), vornehmlich sowjetische Stadtparks heimsuchen (und dabei „mit metallischer Stimme Glasnost Hurra! rufen“), ist nur auf den ersten Blick ein Widerspruch zum Lachen.

Denn die Wahrheit (die wir nach kurzer, aber knallharter Recherche ans Tageslicht gezerrt haben) ist noch einfacher, noch entsetzlicher: Außerirdische gibt es in jeder Größe und Gestalt. Der häufigste Typus ist etwa 1,70 Meter groß, trägt Stirnglatze, Aktenkoffer und Bügelfalte und geht seit Jahren still und unauffällig einer ordentlichen Arbeit nach. Das aber heißt: Jeder könnte ein Außerirdischer sein, du, lieber Leser, genauso wie ich. Und wir selber müssen es nicht einmal wissen.

All die rührenden Geschichten, die uns unsere errötenden Eltern über unsere Zeugung erzählt haben (Sonnenuntergang in Capri, Karneval in Wattenscheid u. ä.) – waren sie nicht vielleicht mildtätige Lügen, um uns den Schock unserer extraterrestrischen Herkunft zu ersparen? Mein Gatte, mein Psychiater, mein Chefredakteur – Außerirdische auch sie?

So, im galaktischen Lichte betrachtet, ist jede Ausgabe dieser Zeitung ein Ufo, vollbeladen mit rätselhafter Fracht. Der Leitartikel? Nein, der nicht, der ist Menschenwerk und Mannestat und soll es ewig bleiben. Aber die schier unbegreifliche Subtilität mancher Theaterrezension – ist sie nicht allein damit zu erklären, daß unser Kritiker im Schutze der Dunkelheit sein drittes Auge aufgeklappt hat und sein viertes Ohr?

Eben noch, Leser, hast du gelacht. Doch jetzt packt es auch dich und wird dich nie mehr verlassen: DAS GRAUEN. Finis