Einige wenige Betriebe gehen mit gutem Beispiel voran

Von Dirk Kurbjuweit

Opel hat recht: Welch wunderbare Welt! Nicht nur, daß nun alle Autos aus Rüsselsheim ihre Abgase durch einen Katalysator schicken. Nein, auch andere Unternehmen scheinen vor allem eines zu wollen: daß Louis Armstrongs alter Hit, der nun zum Werbesong für Opel wurde, der Realität entspricht. Grüne Bäume, blauer Himmel – what a wonderful world.

Der Stromkonzern RWE zum Beispiel fordert seine Kunden in großformatigen Anzeigen zum Energiesparen auf. Die Textilfabrik Brinkhaus in Warendorf will als erste der Branche keine Abwässer mehr in die Flüsse leiten. Das Versandhaus Otto hat sein Pelzsortiment mit Experten des World Wildlife Funds durchgesehen. Der Verpackungshersteller Bischof + Klein in Lengerich hat seinen Löschteich als Biotop angelegt; eine Barriere verhindert, daß Frösche über die nahe Straße hüpfen. Die Chemiefirma BASF lädt die Verbraucher ein, die werkseigenen Müllverbrennungsanlagen zu besichtigen. 3500 Umweltbeauftragte schauen in bundesdeutschen Firmen den Produktionsleitern über die Schulter. Um Verpackungen zu sparen, gibt es Flüssigwaschmittel neuerdings vom Faß, Milch von der stählernen Kuh. Der eßbare Joghurtbecher ist entwickelt.

Haben bundesdeutsche Unternehmer gelernt vom Robbensterben, von der Waldschadensbilanz, vom Gift in Lebensmitteln? Vertraut man Zeitungsberichten und den zahllosen Werbekampagnen mit grünem Touch, dann haben die achtziger Jahre tatsächlich einen entscheidenden Wandel gebracht. Die Manager schauen nicht nur in die Bilanz, sondern auch hoch zum wenn der raucht, scheint heute so mancher die Stirn in Sorgenfalten zu legen, statt sich zu freuen, daß der Laden läuft.

Tyll Necker zum Beispiel, der Vorsitzende des Bundesverbandes der Deutschen Industrie, kam zu der Erkenntnis: „Durch den Verlust des ökologischen Gleichgewichts würde die Wirtschaft ihre Existenz aufs Spiel setzen. Umweltschutz ist keine Wachstumsbarriere, sondern eine Voraussetzung für Wachstum.“ Die Unternehmer haben sich diese schönen Worte offenbar zu Herzen genommen. 1988 gaben sie 19,2 Milliarden Mark für den Umweltschutz aus; zehn Jahre zuvor waren es 7,3 Milliarden Mark. Sogar die ständigen Widersacher der Industrie können sich nun ein kleines Lob abringen. „Bei manchem Unternehmer findet ein spürbares Umdenken statt“, sagt Andreas Fußer vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND).

Kein neuer Trend ohne Verein, der ihn fördert. 1985 gründete sich der Bundesdeutsche Arbeitskreis für umweltbewußtes Management, kurz B.A.U.M. Heute hat er 187 Mitglieder, zuletzt trat Pelikan bei, Ford ist auf dem Sprung. „Der Trend ist unheimlich positiv“, sagt B.A.U.M.-Geschäftsführer Maximilian Gege. Gleiches kann future melden, ein Zusammenschluß von zur Zeit 150 Unternehmern und Managern mit ähnlichen Zielen wie B.A.U.M. Über Meinungsaustausch und Forschung will man neue Wege finden, wie Unternehmen überleben können, ohne daß die Natur stirbt. Beide Organisationen erwarten von ihren Mitgliedern, daß sie mehr tun, als die Gesetze fordern.