Von Michael Shenefelt

NEW YORK. – Niemand scheint zu wissen, wohin mit dem vielen Abfall – außer die Universitäten. Sie liefern ihn direkt bei der Universitätsbibliothek ab und nennen das Ganze dann wissenschaftliche Forschung.

Seit Mitte der siebziger Jahre verschwinden die Universitäten zunehmend unter einem Haufen von Papier – einem Berg von Doktorarbeiten, die in jahrelanger Arbeit geschrieben und fast ausschließlich von einem Gremium gelesen werden, das extra für diese Tätigkeit bezahlt wird.

Leuten Geld dafür zu geben, daß sie die eigene Abschlußarbeit lesen – das Honorar für ein Dissertations-Komitee beträgt in Amerika inzwischen mehr als tausend Dollar –, ist etwa so, als würde man für die Trauer beim eigenen Begräbnis zahlen.

Nun gibt es zahlreiche bürokratische Erklärungen für den Abfallberg. Die gängigste ist, daß Anstrengung den Geist schult. Aber wer glaubt, es sei eine sinnvolle geistige Übung, an ewig gleichen, unbedeutenden Problemen jahrelang herumzubasteln, der kann genausogut aus Trainingsgründen auf einem Bein von New York nach Kalifornien hüpfen.

Andere wiederum behaupten, Dissertationen förderten die Gelehrsamkeit. Das mag für die Naturwissenschaften zutreffen. Für die Geisteswissenschaften jedoch ist es absurd. Wer noch nie eine geisteswissenschaftliche Doktorarbeit gelesen hat, auf den wartet ein Vergnügen, das dem langsamen Abtöten eines Nervs entspricht.

Naturwissenschaftliche Doktorarbeiten befassen sich in der Regel mit der Natur; die kann zwar grausam sein, ist aber selten unnütz. Erfreulicherweise sind diese Arbeiten kurz und enthalten mitunter sogar einige Fakten. Aber Doktorarbeiten in den geisteswissenschaftlichen Fächern behandeln zumeist längst bekannte Fragen, die bereits Plato, Tolstoj oder Gibbon beschäftigt haben und bei denen nur äußerst selten neue Erkenntnisse zu Tage treten.