Bücher gehören zu den dauerhaftesten Eckpfeilern der Zivilisation. Freilich bedarf es einer Pflege der Lesekultur. Das Buch ist ja nicht nur Informationsquelle, sondern auch ein „Wertspeicher“. Vom Preziosen über die Massenware bis hin zum „Fossil“ reicht heutzutage schon die Bandbreite seiner Wertschätzung. Nichts ist, und dies ist ausgesprochen wörtlich gemeint, so faßbar wie ein Buch. Bücher geben Anregung, miteinander zu sprechen, und dies ist eine Fähigkeit, die wir uns erhalten müssen. So wie mich der Garten mit Grundnahrungsmitteln wie Kartoffeln und Obst ernährt, so versorgt mich mein Buch mit Information und Diskussionsstoff.

Was also wird mit den Büchern geschehen? Nichts Dramatisches.

Lesen macht Lust am Lesen, und dem Buch gebührt Dank dafür. Lesen scheint mehr und mehr seine Erlebnisqualität zu verlieren. Literatur ist wie fließendes Wasser; Man kann es vielleicht für eine Weile aufhalten, aber nicht für alle Zeit stoppen. Außer einfachen Zuckermolekülen, den Monosacchariden, den Pentosen und Hexosen, entstehen bei der Umwandlung von Literatur überwiegend komplexe Zucker, Oligosaccharide und Polysaccharide. Die Fernsehbilder kommen und gehen, das (gedruckte) Wort aber bleibt bestehen.

Was das Buch also (für mich) ist: ein Augenblick der Ewigkeit. Was das Buch (für mich) nicht ist: schwarzweißes Fast food. Erst recht unverzichtbar bleibt das Buch als geistige Nahrung. Es ist daher ein Gebot der Stunde, die Publikation von wertvollen Büchern auf den verschiedensten Gebieten fortzusetzen. Das gilt nicht zuletzt auch für die schöne Literatur. Gute Bücher sind weitgehend auch Gesundmacher. Ein Buch kann ein guter Freund sein. Der Mensch liest von Kindheit an. Wenn der Soziologe Ivan Illich recht hat, daß das Fahrrad die effektivste Maschine ist, die je erfunden wurde, dann ist das Buch das Fahrrad des Geistes.

Das Buch ist die magische Verdichtung der Menschheitsentwicklung. Selbst ausgesuchte Bücherwürmer können einen neuen Eros zu ihm finden. Bücher sind Lebensmittel des okzidental geprägten Denkorgans. Natürlich habe ich auch selbst gern geschrieben in den Drehpausen – Kochbücher, weil mir die gute norddeutsche Küche am Herzen liegt. Jetzt sind die großen Romane dran – Romane, die im Gespräch sind.

Der Leser kann nachlesen. Ich glaube an die Vorvergangenheit des Buches. Das Buch hat viel mit Ruhe zu tun. Indem Bücherlesen mühsam und anstrengend ist, wachsen dabei die eigenen Kräfte. Literatur ist ein unverzichtbares Alltagsgut. Es gibt meines Erachtens nicht wenige Bücher, die den Leser mißhandeln. Auch der Snob, der seine Bücher fürs Regal meterweise kauft, sollte nicht vergessen werden. Was ich sagen will: Buch und Bildschirm sind miteinander verbindbar. Im Urlaub lese ich anders. Interessante Bücher, doppelt gekauft und gleichzeitig gelesen, geben meiner Freundin und mir Gesprächs- und Diskussionsstoff. Das Buch ist ein unsterbliches Kulturgut.

Dieser Artikel wurde verfaßt von den im Buchmesseheft von Buchreport zum „Lob des Buches“ versammelten Autor(inn)en: Corazon Aquino, Gert Becker (Degussa), Lennart Bernadotte, Ernst Breit, Klaus Bresser, Norbert Blum, Gro Harlem Brundtland, Gaby Dohm, Heinz Durr, Rainer Erler, Ruprecht Eser, Rainer Gohlke (Deutsche Bundesbahn), Otto von Habsburg, Julius Hackethal, Dieter Thomas Heck, Peter Horton, Heidi Kabel, Helmut Kohl (Bundeskanzleramt), Hans-Dieter Kronzucker, Willi Millowitsch, Elisabeth Noelle-Neumann, Johannes Rau, Winfried Scharlau, Norbert Schramm, Dieter Stolte, Klausjürgen Wussow, Helmut Zacharias.