Ein Gutachten soll klären, ob eine Fusion von SWF und SDR sinnvoll ist

Im Musterländle verkünden es Werbeplakate, Busse und Bahnen transportieren die aufgemalte Werbebotschaft durch Stadt und Land: „SDR 3 – Radio für den wilden Süden“. Mit diesem Slogan macht der Süddeutsche Rundfunk (SDR) Stimmung für sein drittes Radioprogramm.

Landesvater Lothar Späth dürfte an dem Slogan der Stuttgarter Rundfunkmacher eher wenig Gefallen finden. Hat er sich doch in den Kopf gesetzt, die Rundfunklandschaft im wilden Süden umzukrempeln. Als einziges Bundesland besitzt Baden-Württemberg zwei Landesrundfunkanstalten – den Süddeutschen Rundfunk (SDR) in Stuttgart und den Südwestfunk (SWF) in Baden-Baden.

Für den schwäbischen Ordnungssinn von Lothar Späth ist das genau ein Funk zuviel. Die derzeitige Struktur stammt noch aus der Besatzungszeit, als Franzosen und Amerikaner in ihren Zonen jeweils einen eigenen Sender forcierten. Entlang der Autobahn Karlsruhe-Stuttgart-Ulm verläuft heute noch die Grenze der Sendegebiete – mitten durch das Bundesland.

Der europäische Binnenmarkt stehe vor der Tür, da sollten sich SDR und SWF lieber zusammenschließen, „um wettbewerbsfähig zu bleiben“, befand Späth im Sommer 1988 und lieferte auch gleich Pläne für eine Neuordnung der Rundfunklandschaft in seinem Land: Das SWF-Funkhaus in Baden-Baden avanciert zur „Generalintendanz“ des fusionierten „Südwestdeutschen Rundfunks“ (SWDR), Stuttgart wird zum Landesstudio Baden-Württemberg, und Mainz erhält ebenfalls ein eigenes Landesstudio. Das Sendegebiet reicht dann von Bonn bis zum Bodensee.

Seit dem Vorstoß von Späth brodelt der Streit um die Fusion. Kritiker werfen Späth vor, er wolle den politisch unabhängigen SDR einem „großen Schwarzfunk“ einverleiben, wie es Dieter Spöri, SPD-Fraktionsvorsitzender im Stuttgarter Landtag, ausdrückt. Wenig erbaut von dem Späth Plan ist auch der Süddeutsche Rundfunk, der eindeutige Verlierer im Fall der Fusion. Schärfster Gegner ist SDR-Intendant Professor Hans Bausch. Sein Kommentar zu den Späth-Plänen: „Der Norddeutsche Rundfunk wird ja auch nicht in Bad Pyrmont regiert.“

Der „alte Fuchs“, wie die Kollegen Hans Bausch nennen, hat 31 Jahre lang die Geschicke des Stuttgarter Senders gelenkt. Obwohl selbst CDU-Mitglied, hat er sich mit seinem politisch unabhängigen Kurs bei der Landesregierung nicht eben beliebt gemacht. Nun tritt Bausch zum 1. Januar 1990 ab. Bauschs Nachfolger und bisheriger Stellvertreter, der SDR-Verwaltungsdirektor Hermann Fünfgeld, ist gleichfalls gegen die Fusion: „Das gewünschte Ergebnis läßt sich auch mit einer verstärkten Kooperation der beiden Sender erreichen.“