Als die Deutsche Bundesbank 1986 für eine weitergehende Liberalisierung des heimischen Kapitalmarktes sorgte, nutzten viele ausländische Gesellschaften die Chance, sich über die Ausgabe von Anleihen in Deutscher Mark zu verschulden. Zu den neuen Emittenten auf dem deutschen Rentenmarkt zählte auch Alan Bond. Der australische Konzernschmied, Herr über Brauereien, Goldminen und Immobilien, hatte sein Imperium durch umfangreiche Kreditaufnahmen rund um den Globus finanziert.

Auch deutsche Anleger liehen dem Selfmademan Geld und kauften seine Anleihen, die mit einem Nominalzins von 6,25 und 6,50 Prozent ausgestattet waren und bei Kursen von 77 Mark je Hundert-Mark-Anleihe die stolze Rendite von knapp vierzehn Prozent abwarfen.

Doch schon im Herbst dieses Jahres kam das böse Erwachen: Großschuldner Bond hatte sich finanziell übernommen und mußte einige seiner Firmen Hals über Kopf verkaufen, darunter auch die Perle Gold Mines of Kalgoorlie. Die Anleger erhielten für ihre Gutgläubigkeit postwendend die Quittung. Denn die Kurse der Bond-Papiere rutschten unter sechzig Mark, da völlig ungewiß ist, ob der Australier die jährlich zu zahlenden Zinsen bis zur Fälligkeit im Jahre 1993 regelmäßig überweisen wird. Noch schlimmer als die Eigner von Bond-Papieren trifft es einige Anhänger von sogenannten junkbonds. Mit diesen Papieren – junk heißt soviel wie Ramsch oder Schund – werden seit etwa zwei Jahren Firmenübernahmen finanziert. Um für die hochspekulativen junkbonds Käufer zu finden, mußten die übernehmenden Gesellschaften den Anlegern attraktive Renditen bieten, die sie allerdings nicht garantierten.

Populär wurde diese Finanzierungsform durch das New Yorker Investmenthaus Drexel Burnham Lambert, das damit die Übernahme des Nahrungsmittelkonzerns RJR Nabisco durch Kohlberg, Kravis, Roberts & Co. (KKR) erst ermöglichte. Das spektakuläre Geschäft hatte eine Größenordnung von 25 Milliarden Dollar. Um den Anlegern den Kauf der später aufgelegten RJR-Nabisco-Anleihen schmackhaft zu machen, wurde ihnen eine jährliche Verzinsung von fünfzehn Prozent geboten. Das waren sechs Prozent mehr, als sichere US-Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit abwerfen. Die Gretchenfrage lautet auch hier: Können die Zinsen bis zum Ende der Laufzeit bezahlt werden? Das ist nur dann der Fall, wenn einzelne Teile der übernommenen Firma lukrativ verkauft werden können. Sonst sieht es schlecht aus für die Inhaber der junkbonds. Denn sie haben keinen rechtlichen Anspruch auf regelmäßige Zinszahlungen. Gefährlich wird es für die risikofreudigen Anleger, wenn die Wirtschaft in den Vereinigten Staaten plötzlich nicht mehr floriert. Denn wenn die Unternehmen weniger verdienen, können sie die Zinsen nicht mehr aufbringen – ganz zu schweigen von der Rückzahlung dieser hochspekulativen Bonds.

Wie sicher Anleihen sind, das verdeutlichen die Noten sogenannter Rating-Agenturen. Die überprüfen die Güte des jeweiligen Emittenten und veröffentlichen anschließend ihre Bewertung. Die begehrteste Auszeichnung ist AAA, auch Triple-A genannt. Nicht nur die Anleger, auch die Emittenten legen großen Wert auf eine gute Zensur. Denn je besser der Ruf, um so billiger kann sich der Emittent verschulden.

Vor dem Kursrisiko von Fremdwährungsanleihen kann allerdings auch eine gute Note nicht schützen. So mancher Zinsvorteil im Ausland ist schon durch den rasanten Verfall der jeweiligen Währung dahingeschmolzen. Daran erinnern sich besonders die Anhänger von australischen Anleihen nur ungern. Von 1985 bis zum November 1987 rutschte der australische Dollar von 2,50 Mark auf 1,12 Mark. Auch neuseeländische Bonds waren eine Zeitlang aufgrund ihrer hohen Renditen bei Bundesbürgern begehrt, doch Währungsverluste sorgten auch in diesem Fall für schrumpfende Renditen. Anders sieht die Entwicklung in den vergangenen zwölf Monaten bei amerikanischen Anleihen aus. Da der Dollar gegenüber der Mark lange Zeit zulegte, bescherte er den Anlegern aus Deutschland zusätzliche Devisengewinne.

In Europa gibt es gleich mehrere Kapitalmärkte, an denen mit hohen Renditen gehandelt wird – und das bei vergleichsweise geringem Risiko. So bieten etwa spanische Bonds Zinsen zwischen dreizehn und vierzehn Prozent. Die Gefahr großer Währungsverluste tritt bei diesen Anleihen in den Hintergrund, weil die Peseta durch den Beitritt Spaniens zum Europäischen Währungssystem (EWS) höchstens um sechs Prozent nach beiden Seiten schwanken darf. Attraktiv sind auch Obligationen, die auf Schwedenkronen lauten. Bis zu 11,5 Prozent werfen die Papiere ab. Seit Sommer 1989 ist es auch deutschen Anlegern gestattet, sich festverzinsliche Papiere aus dem hohen Norden ins Depot zu legen. Da sich die Schwedenkrone auf dem Devisenmarkt an mehreren Währungen ausrichtet, ist das Risiko überschaubar. Um die sowohl in Spanien als auch in Schweden anfallende Quellensteuer zu umgehen, sollten die Papiere nicht im jeweiligen Land gekauft werden. Es bietet sich vielmehr der Kauf am sogenannten Euromarkt an, also in Frankfurt, London oder Luxemburg, wo diese Papiere übers Telephon gehandelt werden.

Ob Anleihen die erhofften Erträge abwerfen, hängt neben dem Bonitäts- und Währungsrisiko auch davon ab, ob man das jeweilige Papier zur rechten Zeit kauft. In Phasen steigender Zinsen sinken entsprechend die Rentenkurse und verursachen Verluste. Deshalb raten Experten zum Kauf von Anleihen, wenn die Zinsen vergleichsweise hoch sind. Auch die Laufzeit spielt eine wichtige Rolle. Bei baldiger Fälligkeit des Papiers fallen die Kursschwankungen nur gering aus, weil die Rückzahlung zu hundert Prozent erfolgt. Solidus