Von Rolf Henkel

München

Die Sache mit dem Sofa ist nun vorbei. Aus ist es mit der Zweisamkeit in der „Sofa-Fraktion“ des Münchner Stadrats. Die Unabhängigen Sozialen Demokraten (USD), die die zwei SPD-Abtrünnigen Peter Kripp (zwanzig Jahre Genosse) und Doris Henkel (fünfzehn Jahre Genossin) Ostern 1987 beim Spaziergang am Kochelsee geboren hatten, existieren nicht mehr. Nachdem die private Verbindung der beiden Ex-Sozis zerbrochen war, haben sie nun auch ihre politischen Bande gelöst: Die Stadträtin hat das Bündnis aufgekündigt – und damit ist auch die von CSU-Fraktionschef Walter Zöller („Der schwarze Mann“) konstruierte „Gestaltungsmehrheit“ aus CSU, FDP und USD im Münchner Rathaus gescheitert. Sechs Monate vor der Kommunalwahl im März 1990 hat an der Isar niemand mehr die Mehrheit – es sei denn, er verbündet sich mit Doris Henkel.

Das Ansehen der beiden SPD-Abtrünnigen war von Anfang an nicht gerade glänzend. Das begann schon mit dem Verdacht, der 1987 zum Eklat führte: Die beiden hatten angeblich die SPD bei der Wahl des Kreisverwaltungs-Referenten hängenlassen. Zwar war nichts zu beweisen, doch das Vertrauen in die beiden heute 49jährigen Rechtsausleger war zerbrochen. Als sie sich dann nach ihrem Austritt aus der SPD blitzartig an die CSU anlehnten, war eigentlich allen klar: Kripp und Henkel hatten die SPD schon länger verraten.

Als Zünglein an der Waage kosteten die beiden auch privat Verbandelten ihre Macht aus: Sofa-Fraktion – spottete die SPD, Gestaltungsmehrheit – schwärmte die CSU. Deren Fraktionschef Zöller bestimmte gegen den gewählten SPD-Oberbürgermeister Georg Kronawitter von nun an die Richtlinien der Münchner Stadtpolitik. „Heimlicher Oberbürgermeister“ ließ er sich ein Zeitlang stolz nennen.

Und die beiden von der Sofa-Fraktion im Zimmer 105 des Rathauses gingen auf Höhenflug: Zehn Prozent würden sie bei der nächsten Wahl bekommen, mit einer Liste von achtzig Kandidaten wollten sie in den Kommunalwahlkampf gehen, tönte Kripp. Zwar konnte er kein Programm vorlegen, aber Anfang Januar 1989 fiel ihm auf die Frage nach seiner künftigen Politik immerhin so Wesentliches ein wie: „Bauen, bauen und nochmals bauen.“ Oder: „Die wirklich großen Gewerbesteuerzahler müssen gehegt und gepflegt werden.“

Die hatten das ein halbes Jahr zuvor offenbar andersherum versucht. Eines Tages im Juli 1988 war ein Unbekannter in Kripps Büro erschienen, hatte ein Kuvert mit 20 000 Mark in gebündelten Hunderten auf den Tisch gelegt und um eine kleine „Gefälligkeit“ gebeten: Die beiden USD-Stadträte sollten doch bitte schön zwei Werksdirektoren der Stadtwerke an die Spitze des Unternehmens wählen. Wenn das geschehe, seien weitere zwanzig „Riesen“ fällig. Kripp, der einen Agent provocateur witterte, ging zur Polizei. Dort wunderten sich die Beamten zwar, daß ein Politiker „Bestechungsgeld“ ablieferte, aber sie ermittelten prompt und bisher erfolglos wegen Beleidigung.