DIE ZEIT

Die Macht zerrinnt

Betonburgen fallen wie Kartenhäuser: Die Vorgänge in der DDR zeigen, wie schnell das Gehäuse der Macht sich als hohl erweisen kann.

Vor einem Winter der Verzweiflung

Zu seiner Lage – und zu der in der DDR – sagte Michail Gorbatschow jüngst in Ost-Berlin: "Mit unseren Schwierigkeiten ist das hier gar nicht zu vergleichen.

Wie im Casino

Die Wiederholung fällt aus. Dieses Mal, zwei Jahre nach dem Börsenkrach vom 19. Oktober 1987, ist uns eine Reprise des Dramas erspart geblieben.

Wind des Wandels

Es scheint, daß die "Umlaufgeschwindigkeit" der Geschichte sich in letzter Zeit außerordentlich beschleunigt hat. Nicht nur in der Sowjetunion und einigen osteuropäischen Staaten wird die Entwicklung immer rasanter, sondern neuerdings auch dort, wo bisher die Zeit still zu stehen schien: in Südafrika.

Worte der Woche

"Lange gab es nicht so viele Gründe für die Hoffnung, daß alles gut ausgeht, und niemals gab es zugleich so viele Gründe für die Befürchtung, daß, wenn alles schlecht ausgehen sollte, dies die endgültige Katastro-Phe sei.

Zeitspiegel

Es schien nur eine Frage der Zeit, bis auch der letzte Zwergstaat seinen Botschafter aus Taiwan abberufen würde, um mit der mächtigen chinesischen Volksrepublik diplomatische Beziehungen aufzunehmen.

Richard von Weizsäcker auf Staatsbesuch in Marokko: Ein Monarch sucht neue Freunde

Der Gastgeber und sein Gast werden immer mit denselben Adjektiven bedacht, beide sind "intelligent". Bei Richard von Weizsäcker, der am Montag zu einem fünftägigen Staatsbesuch in Marokko eintraf, besticht die ungewöhnliche Intellektualität, dank derer er vom repräsentativen zum richtungweisenden Staatschef gewachsen ist.

"Wir sind das Volk"

Er klettert auf einen der sächsischen Löwen und macht sich zum Sprecher von rund 10 000 Demonstranten: "Ich bin Uwe Scholz aus Rossendorf", ruft er in Richtung Rathaus, der Oberbürgermeister möge über Megaphon zu ihnen reden.

Die Ruhe täuscht

Fahren auch wir in Unruhe, vielleicht sogar Aufruhr hinein? Man möchte es glauben, auf der Autobahn nach Magdeburg, wenn das Busradio halbstündlich Nachrichten über die DDR aus West-Berlin ausspeit.

Was wird aus dem geteilten Deutschland wenn sich in ganz Europa so vieles ändert? Im Osten wie im Westen wird die deutsche Frage neu gestellt In einer Folge von Artikeln suchen ausländische Beobachter nach Antworten. Den Anfang macht der Franzose Alfred Grosser.: Ein Wunschzettel voller Widersprüche

Es soll hier nicht viel von Frankreich die Rede sein. Was im Ausland gedacht wird – ob verständnisvoll oder absurd – darf kein Vorwand sein, das eigentliche Problem zu verschleiern: Was denkt man, was erwartet man, was will man in der Bundesrepublik, wenn es um die deutsche Frage geht? Zwar gilt es in Frankreich Befürchtungen zu beschwichtigen, Widersprüche hervorzuheben, psychologische Hintergründe aufzudecken, auch gegenüber jenen Franzosen, die gestern ein Abdriften der Bundesrepublik nach Osten brandmarkten und heute das Abdriften so vieler DDR-Bürger nach dem Westen als erstes und ernstes Anzeichen eines unerträglichen Machtanwuchses der Bundesrepublik innerhalb der Europäischen Gemeinschaft darstellen.

Tones im Stimmungstief: Wunsch nach Wechsel

Margaret Thatcher will Downing Street mit einem hohen Gitter, ähnlich dem vor dem Buckingham-Palast, sichern lassen. Natürlich hat das dem Verdacht neue Nahrung gegeben, die Eiserne Lady gefalle sich immer mehr in einer abgehobenen, präsidialen, sogar quasi-monarchischen Rolle.

Ben Witter: Angetippt

Ich empfahl frische Fensterklappenluft für Sterbezimmer, fürsorglich-druckvolles Händehalten der Krankenschwestern mit den Patienten ohne verstohlene Blicke auf die noch zu schließende Tür.

Weltbühne: "Wir machen weiter"

Journalismus in Lateinamerika ist für die Mehrheit der dort Schreibenden und Sendenden ein hartes Brot: schlecht bezahlt, wenig geachtet und im wahrsten Sinne des Wortes lebensgefährlich.

Nachlese: Ausländerwahlrecht: Gewichtige Fragen

Die Berliner SPD hat mit ihrem Gesetzentwurf zum kommunalen Ausländerwahlrecht länger zugewartet, als es der AL recht war; die Sozialdemokraten hofften auf Rückenwind vom Bundesverfassungsgericht.

Besuch beim Bruder

Mit dem Auto legte Libyens Revolutionsführer Muammar al-Ghaddafi 200 Kilometer durch die Wüste zurück, um im ägyptischen Seebad Mersa Metruh Staatspräsident Hosni Mubarak zu treffen.

Bonner Bühne: Parteiische Einsichten

Ein bißchen ungewohnt klingt die Frage schon: "Sind Frauen Menschen?" Unter diesem Titel hatte die Neue Gesellschaft/Frankfurter Hefte sich kürzlich mit der Französischen Revolution 1789 und der Lage der Frauen 1989 befaßt.

Edelweiß oder kriminell?

Gegen sechs Uhr morgens wird es gewesen sein, als sich am 10. November 1944 dreizehn zum Teil kahlgeschorene Häftlinge des Gestapo-Gefängnisses in Brauweiler auf den Weg nach Köln-Ehrenfeld machen.

Kommunalwahlkampf: Rechtes Doppel

Am 22. Oktober wählen die Baden-Württemberger ihre Kommunalparlamente, und vielerorts wird mit dem Einzug von Republikanern und Nationaldemokraten in die Rathäuser und Kreistage gerechnet.

Stramm am Grab

In Herrlingen bei Ulm rommelt es einmal im Jahr. Zum Todestag des "Wüstenfuchses" am 14. Oktober setzen sich die Restverbände des Deutschen Afrika-Korps in Bewegung und stoßen vor zum Grab ihres ehemaligen Kommandanten, Generalfeldmarschall Erwin Johannes Eugen Rommel, auf der Westflanke des Herrlinger Friedhofs.

Wiedergutmachung: Klar ausgedrückt

Immer wieder sei er bestürzt darüber, sagt Hans Knoch, wie "unhistorisch" manche junge Ärzte heute dächten, wie schwer es ihnen falle, Verfolgte der Nazi-Herrschaft, die ihnen als Patienten vorgestellt werden, als Opfer zu sehen.

Die Weltbörsen standen am Rande eines neuen Crash: Der Tag der drei Hexen

Alles fing damit an, daß Freitag, der 13. Oktober, ein Tag der drei Hexen war. Triple witch day, so nennt man an Wall Street jene Tage, an denen erstens die Wahrnehmungsfrist für Optionsscheine zu Ende geht, an denen zweitens bestimmte Terminkontrakte auslaufen und an denen drittens die Banken das abgelaufene Quartal abrechnen.

Reine Notwehr

Solange die Verhandlungen laufen, herrscht Frieden. Doch wie es derzeit aussieht, steht der .Transitkrieg kurz bevor. Weil die Verhandlungen zwischen der EG und Österreich über den Güterverkehr in der Alpenregion festgefahren sind, soll nun der mächtige Chef der EG-Kommission, Jacques Delors, seine Autorität im kleinen Alpenland geltend machen.

Bonner Kulisse

Daß deutsche Beamte oder Manager für ihr Land etwas umsonst tun, zumindest dann, wenn sie sich selbst gut stehen, ist offenbar sehr rar.

EG-Fusionskontrolle: Hintertür

Wenn aus Brüssel die Nachricht kommt, es sei in einer wichtigen Frage ein Durchbrach gelungen, dann ist Vorsicht geboten. Hinter der Einigung steckt oft ein Kompromiß, der es den zwölf EG-Mitgliedsländern gerade noch erlaubt, ihr Gesicht zu wahren.

Computerviren: Teurer Alarm

Mit Spannung schalteten die Computerbenutzer dieser Welt am vergangenen Freitag, dem 13., ihre Geräte ein. Manche legten vorsichtshalber gleich ganz eine Computerpause ein.

Klaus-Peter Schmid:: Abschied von Vater Staat

Soll der Staat als Industrieller tätig sein und Privaten Konkurrenz machen? Soll er als Unternehmer Risiken auf sich nehmen, Innovationen durchsetzen, Profite anstreben, expandieren? Im Prinzip ist diese Diskussion längst gelaufen: In der Marktwirtschaft hat der Staat im Wettbewerbssektor grundsätzlich nichts zu suchen.

Junk-Bonds: Ramsch am Markt

An Warnungen hat es nicht gefehlt. Kenner der amerikanischen Börsenszene beobachten mit zunehmendem Unbehagen, zu welchen Exzessen die Welle von Unternehmensaufkäufen an den Märkten der Vereinigten Staaten geführt hat.

Jagd nach dem Verbraucher

Die Fernseh-Zuschauer können sich den subtilen PR-Methoden kaum noch entziehen

Autoindustrie: Liebe auf den zweiten Blick

Ein Werbespruch wird von der Wirklichkeit überholt. "Volvo ist Volvo", mit diesem eigenwilligen Vers versucht der schwedische Autohersteller derzeit noch, Kunden für den Kauf des Wagens mit dem Image eines behäbigen, aber unverwüstlichen Traktors zu gewinnen.

Rudolf Engen: Der kleine Prinz

Immer wenn Direktionsassistent Dr. Günter P. von der Europäischen Management- und Marketing-Agentur (EMMA) am Ende eines Tages voller Konferenz- und Klientenstreß an Management und Marketing verzweifeln möchte, greift er zur Entspannung nach einem Buch wie "Der kleine Prinz" von Antoine de Saint-Exupery.

Markenrechte: Das Havanna-Monopol

Er stammte von Zigarren, nicht von Kanonen, der blaue Rauch, der am Dienstag vergangener Woche unter der Decke des Pariser Nachtclubs "Castel" hing.

Gerd Bucerius zu Fragen der Zeit: Rüstung macht nicht schwach

Rüstung ist militärisch und vor allem ökonomisch schädlich" – unter dieser Überschrift hat die ZEIT (Nr. 40, 29. September) ausführliche Auszüge aus einem (gut geschriebenen) Buch "Neue Realitäten" des amerikanischen Wirtschaftspublizisten Peter Drucker veröffentlicht.

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