Von Bukar Bukarambe

LAGOS. – Südafrika ist ein Widerspruch in sich: ein Land, das sich anders gibt, als es handelt.

Es hat eine vielfältige Sozialstruktur – mit der es dennoch nie im Einklang steht. Die weiße Führungsschicht prägte den Begriff der Apartheid und erklärte, es sei das beste, wenn jede Volksgruppe sich selbst verwaltet. Aber zugleich stützte sie dieses Konzept auf amtliche Rassendiskriminierung und auf die ungleiche Verteilung der Staatsressourcen für „separate Entwicklung“. Achtzig Prozent der Bevölkerung erhielten weniger als zwanzig Prozent des Landes zugeteilt, das meiste davon unbewohnbar.

Natürlich schürt das Unzufriedenheit. Aber die Regierung sucht die Schuld stets bei „Kommunisten“ und „Terroristen“. Gelegentlich treibt sie das Spiel so weit, vor dem „Nationalparlament“ den Ausnahmezustand zu verkünden, um Recht und Ordnung zu wahren. Aber die Voraussetzung für die Verhängung des Ausnahmezustandes besteht nicht in einem einzelnen Ereignis, sondern ist die Folge eines unerträglichen Zustandes, für den die Regierung selbst die Verantwortung trägt.

Der Widerspruch erfaßt auch die Außenpolitik des Landes. Südafrika wird allenthalben verurteilt und öffentlich gemieden. Aber dem Land – mit verschiedenen strategischen und begehrten Rohstoffen wohlversorgt, geographisch günstig gelegen und ein attraktiver Standort für Ausländer, die Geld verdienen wollen – hat es an Freunden und Handelspartnern in aller Welt nie gefehlt. Oft sind es dieselben, auch Regierungen südlich der Sahara darunter, die Südafrika am lautesten anklagen.

Die Wahlen vom September dieses Jahres offenbarten erneut den südafrikanischen Widerspruch. Die Teilnahme an den „allgemeinen Wahlen“ war der Mehrheit der Bevölkerung verfassungsmäßig untersagt. Als die Schwarzen protestierten, antwortete die Polizei so, wie es von ihr verlangt wird. Aber wenig später ließ die Regierung eine Großdemonstration gegen polizeiliche Brutalität zu – das erste Mal in der Geschichte des Landes. Dennoch bleibt der Ausnahmezustand in Kraft.

Wer Proteste zuläßt, der tut so, als halte er die Forderungen der Demonstranten nicht für gänzlich ungerechtfertigt. Das Reform-Image des neuen Präsidenten F.W. de Klerk erhielt Auftrieb. Auch das Wahlergebnis deutet in die Richtung von Reformen, obgleich die regierende Nationale Partei des Präsidenten von 113 auf 93 Parlamentssitze zurückfie und an die Demokratische Partei zur Linken wie die Konservative Partei zur Rechten Stimmen abgeben mußte. Optimisten, die hoffen, das Problem werde allmählich verschwinden, rechnen heute vor, daß sich beim Zusammenzählen der Stimmen von Nationalen und Demokraten eine Mehrheit von 75 Prozent aller Weißen für Reformen ergabe – ein überwältigendes Mandat, zumal wenn die Forderungen der nicht-weißen Mehrheit im Lande hinzukommen.