Bei einer Lama-Versteigerung in Los Angeles gerieten ein Computerberater und seine Frau in Entzücken. Mehr Lamas hätten sie bei dieser Auktion geküßt als Männer in einem Jahr, gestand die Frau und kaufte gleich drei der kuscheligen Langbeiner mit den bananenförmigen Ohren und den langen Wimpern.

Als die Nachbarn des Rockstars Michael Jackson Klage erhoben, weil seine Pfauen ihnen den Nachtschlaf raubten, seine Lamas die Luft verpesteten und die Giraffe ihre Hibisken auffraß, trennte er sich schweren Herzens von seinen Lieblingen. Allein die Lamas blieben. Der Regisseur Mike Nichols verkleinerte sein Araber-Gestüt, um einer Herde Lamas ein schönes Leben zu machen. Er schwärmt von ihren weichen Lippen und ihrem sphinxhaften Gesichtsausdruck.

Längst ist es auch im New Yorker Central Park kein Novum mehr, einem Herrn zu begegnen, der sein Lama an der Leine führt. Seit der Gouverneur von New York, Mario Cuomo, das Lama zum Haustier erklärte, müssen Hundebesitzer mit einer Strafe von 350 Dollar rechnen, wenn Rex oder Purzel in das Zottelfell beißen. Und beim Fernseh-Gericht People’s Court hatte Richter Joseph Wappner bereits in einem Lama-Vaterschaftsprozeß zu entscheiden.

In Kalifornien öffnete schon vor drei Jahren ein Lama-Internat seine Pforten. Dort wird den Tieren in einem dreiwöchigen Kurs haustiergerechtes Verhalten beigebracht – hinlegen, aufstehen, bei Fuß gehen, ins Auto springen. Auf den Schoß läßt sich das fast zwei Meter hohe Tier allerdings nicht nehmen. Doch sieht die ständig wachsende Zahl der Lamaphilen nur Vorteilhaftes in diesem Tier aus den Anden, das der Zeitungsverleger William Randolph Hearst bereits in den frühen zwanziger Jahren auf sein Schloß San Simeon, hoch über dem Pazifik, eingeführt hatte. Die Lamaherde – in den USA wird sie auf 30 000 Tiere geschätzt – gilt auch als hervorragende Geldanlage. Erst kürzlich erwarb ein Züchter bei einer Auktion in Nebraska für 150 000 Dollar ein männliches Lama. Und ein Pfund Wolle ist heute schon dreißig Dollar wert.

Kein Wunder, daß die flachrückigen Mitglieder der Kamelfamilie, das Lama glama, das Alpaka und das Guanako, jetzt auch in Europa immer populärer werden. In Südfrankreich soll das Lama als Feuerschützer eingesetzt werden. Denn seine Vorliebe für alles im Unterholz wachsende Gebüsch könnte den gefürchteten Flächenbränden das Futter nehmen. Freilich haben die Engländer, wenn es um neue Tierarten geht, die Nase wieder einmal vorn. Letzte Woche fand in Stoneleigh, Warwickshire, die erste öffentliche Lama-Auktion statt. Wie die Herald Tribüne berichtete, waren über tausend Lamafans gekommen – darunter auch jene Arztfrau aus Bristol, die schon im Vorjahr fünf Lamas statt eines neuen Volvos gekauft hatte. Doch schon machen sich die im British Camelids Limited vereinten Züchter Sorgen. Auf keinen Fall, so meinen sie, dürfe das Lama zum peccadillo (Lustobjekt) des reichen Mannes werden. Mit dem Lama in falschen Händen, fürchten sie, könnten dann ähnliche Zuchtfehler gemacht werden wie etwa bei der britischen Bulldogge. Aus kosmetischen Gründen würde man immer längere Bananenohren züchten oder aber vielleicht seine Kurzbeinigkeit anstreben, bis es Platz hat auf dem Schoß. Aber auch in seiner jetzigen Gestalt vermag das Lama in Fachkreisen hitzige Debatten auszulösen. Man streitet sich um die Anzahl seiner Mägen wie auch um die Auslegung seiner bizarren Körpersprache. Einem 1784 erschienenen Buch mußten die ersten Züchter Mitte der siebziger Jahre einige dürftige Informationen entnehmen. Die seltsame Ohrenstellung bei schlechter Laune und – natürlich – die Spuckgewohnheiten der Lamas sind noch nicht enträtselt.

Auf das Thema "Spucken" reagieren die meisten Besitzer noch immer überempfindlich. Meist spuckten sie nur ihre Artgenossen an, beteuerte ein Amerikaner auf der englischen Auktion.

Weit Schlimmeres für die Zukunft des sanften Knuddeltieres ist ausgerechnet aus Lama-Land Amerika zu erwarten. Dort hat man inzwischen den tiefen Cholesterinspiegel des Lamafleisches gemessen und bringt das Lamasteak auf den Tisch. Spucken wir’s aus. Barbara Ungeheuer