Mit neuen Eigenmitteln in Höhe von 350 Millionen Mark soll die Frankfurter co op AG in eine bessere Zukunft geführt werden. Der Aufsichtsrat des Unternehmens hat am Dienstag dieser Woche die Weichen gestellt, die Hauptversammlung muß am 30. November dem Sanierungspaket zustimmen. Nachdem die Gläubigerbanken auf 1,7 Milliarden Mark ihrer Forderungen verzichtet haben, sind nun die Aktionäre des maroden und hochverschuldeten Handelskonzerns am Zug. Das Grundkapital von bisher 450 Millionen Mark soll auf 14 000 Mark herabgesetzt und durch die Ausgabe neuer Aktien zum Kurs von 250 Mark wieder heraufgesetzt werden. Am Dienstag dieser Woche wurden die alten co op-Aktien noch zu 111 Mark notiert, nach dem Kapitalschnitt sind sie so gut wie nichts mehr wert. Die neuen Aktien können im Verhältnis 17 : 3 erworben werden. 72 Prozent des Kapitals werden von den Kreditinstituten Schweizerischer Bankverein, Amro-Bank, Svenska Handelsbank und Security Pacific Bank gehalten. Doch für co op wird ein Käufer gesucht.

Die problembelastete Vergangenheit der co op ist noch nicht bewältigt. Ganz abgesehen davon, daß die Staatsanwaltschaft noch wegen Bilanzfälschung und anderer Delikte untersucht, hat auch das Kartellamt in Berlin noch Ansprüche erhoben. So ließ die Wettbewerbsbehörde jüngst dem geschaßten Vorstandsvorsitzenden Bernd Otto im fernen Kapstadt ein Beschuldigungsschreiben zustellen. Der Grund liegt fünf Jahre zurück. Damals hatte die Basler Handelsbank, eine Tochter des Schweizerischen Bankvereins, auf Veranlassung der co op AG die Handelsketten Wasmund und Kafu erworben. Dem Kartellamt wurde der Zusammenhang mit der co op allerdings nicht angegeben – es hätte die Übernahme untersagt. Erst im März dieses Jahres räumte die Basler Bank ein, nicht „umfassend informiert“ zu haben. Auch die Bank wird dafür Bußgelder zahlen müssen.

Robert Louis-Dreyfus, ein 43jähriger Franzose mit Erfahrungen im Rohstoffhandel und in der Pharma-Marktforschung, soll die Londoner Werbeagentur Saatchi + Saatchi in eine Phase der Konsolidierung führen und sie vor einer möglichen Übernahme bewahren. Mit der Ernennung des chief executive erkennen die beiden Brüder an, daß die spektakuläre Gründerzeit dieser „größten Werbeagentur der Welt“ endgültig zu Ende und ein Rückzug unvermeidlich ist.

Der Aufstieg seit der Gründung vor zwanzig Jahren war kometenhaft. Maurice und Charles Saatchi, die beide das Licht der Öffentlichkeit scheuen, kauften dank der Finanzierungshilfe einer willigen City Unternehmen auf beiden Seiten des Atlantiks zusammen. Und sie blendeten mit ihrem „globalen Konzept“: Werbung und verwandte Dienste müßten dem „Weltmarktplatz“ für Waren und Dienstleistungen folgen.

Aber dann stellten sich Zweifel an dem Geschick der Brüder ein. Führende Mitarbeiter schieden aus. Der Aktienkurs sackte scharf ab. Im letzten Geschäftsjahr hat sich der Gewinn wahrscheinlich halbiert. Louis-Dreyfus hat nun die Aufgabe, die Moral in der angeschlagenen Agentur zu heben, die Finanzen zu straffen und durch Verkauf der Beratungsfirmen Saatchi + Saatchi auf den alten Kern zurückzuführen.

Der 43jährige Maurice Saatchi bleibt Vorsitzender, tritt aber in die Kulissen, wo sein noch geheimnisvollerer 46jähriger Bruder Charles schon immer war.

Der schwäbische Nudelhersteller B. Birkel Söhne soll Anfang Januar von dem französischen Nahrungsmittelhersteller BSN übernommen werden. Was schon seit Wochen als Gerücht in der Branche zu hören und Gegenstand von Vorgesprächen beim Berliner Kartellamt war (siehe ZEIT vom 6. 10. 1989), wurde am vergangenen Freitag beim Bundeskartellamt offiziell angemeldet. An der Berliner Behörde wird es liegen, ob die Übernahme glatt über die Bühne geht. Es wird zu prüfen sein, ob das Eindringen eines Großunternehmens in einen mittelständisch strukturierten Markt auch künftig noch wesentlichen Wettbewerb zuläßt.