Staubsauger haben eine dramatische Entwicklung hinter sich. Nur eins blieb außer acht...

Gerade in schnellebiger Zeit scheint es durchaus angezeigt, sich in unregelmäßigen Abständen bewährter Erkenntnisse zu besinnen: Großes beginnt im Kleinen! Ein Satz, dessen in die Tiefe lotende Schärfe nichts von ihrer Aktualität eingebüßt hat, wie sich am Beispiel der Staubsauger mühelos beweisen läßt.

Jahrzehntelang brachten Staubsaugerbesitzer ihre Geräte eher widerstrebend zum Einsatz. Schon das klobige Äußere des Staubsaugers irritierte den Ästheten, von dem Lärm, den er machte, ganz zu schweigen. Und hygienemäßig? Um es kurz zu machen, es waren Saugleistungen, an die wir uns nur ungern erinnern.

Die Wende kam leise, sie kündigte sich nicht an. Es war an einem Abend vor einigen Jahren, wir saßen vor dem Fernseher und guckten Sketche: „Es saugt und bläst der Heinzelmann, wo Mutti sonst nur saugen kann.“ Es war ziemlich komisch, ein multifunktioneller Staubsauger in aufwendigem Design – Loriot-Kenner erinnern sich – spielte eine kleine, aber wichtige Rolle.

An jenem Abend, das scheint heute so gut wie sicher, saß auch die Industrie mit vor dem Fernseher und guckte Sketche. Als die Szene vorbei war, hieben überall im Land Staubsauger-Marketing-Leiter auf den Tisch, daß die Salzstangen tanzten, und riefen: „Jawoll, Heinzelmann!“ Von da an begann der Staubsauger sich zu verändern. In den geheimen Versuchslabors strengten sich die Ingenieure an, so sehr sie nur konnten. Nächtelanges Schaffen, Prototypen, dann liefen die ersten Sauger à la Heinzelmann vom Band.

In diesem Zusammenhang sind ahnungslose Konsumenten nicht zu beneiden. Wer die Entwicklung bislang verschlief („Mein alter tut’s noch“) und heute, womöglich wegen des nahenden Festes, einen Neukauf erwägend ins Kaufhaus strebt, den trifft die Veränderung des Marktes mit ihrer ganzen Wucht: „Der Turbo-Booster erhöht die Leistung des Gerätes für zehn Sekunden auf 1400 Watt.“ Unsicher greift der Interessent zur „Fugendüse“. Seine Hand streicht über einen „elektrostatisch geladenen Feinstvlies-Ausblasfilter“, bevor er – etwas trunken schon – unter dem Eindruck „beidseitiger Kantenabsaugung“ sowie „4facher Florhöhenanpassung“ vor einem Gerät zum Stehen kommt, das sprechen kann. „Der Saugschlauch ist verstopft“, krächzt es, und auf der Digital-Kontrolleiste blinken die Lichter. Taumelnd gelangt der Kunde hinaus ins Freie.

Natürlich wäre dies der Augenblick für ein paar tröstende Worte, die Stunde, in der Orientierung not tut. Nichts käme jetzt gelegener als ein Staubsaugervertreter, der, gestählt in vielen Modelljahren, Halt böte in all der Wirrnis. Wir stellen uns vor, wie er des Abends vorbeischaut, sich zu uns gesellt, wenn die Mühsal des Tages langsam abfällt. Zwanglos, nette Gespräche im Sessel („Ihr alter ist ja noch ganz gut in Schuß“), am Ende sind alle glücklich, „unser neuer“, es wäre geschafft.