DIE ZEIT

Wider den Wandel

Das einzig Neue – das ewig Gestrige? Wenn es denn hierzulande überhaupt eine politische Innovation zu verzeichnen gibt, dann ist es die organisatorische Ausbildung der Reaktion.

Mitziehen

Lange hat das Mißtrauen zwischen den Supermächten die Welt regiert und kujoniert. Inzwischen fällt es schwer, Schritt zu halten mit den vertrauensfördernden Entwicklungen.

Auszuhalten

Als die Verfassungsväter im Grundgesetz das Recht auf Wehrdienstverweigerung verankerten, waren sie sich der ethischen Problematik durchaus bewußt: Die Freiheit mit der Waffe zu verteidigen – das kann dem Gewissen unzumutbar sein.

Schafft Krenz den neuen Anfang?

Eine politische Notschlachtung: Anders läßt sich Erich Honeckers Entmachtung nicht bezeichnen. Am vierzigsten Gründungstag der DDR hatte der Staatsratsvorsitzende und SED-Generalsekretär noch einmal die Fassaden seines Potemkin-Sozialismus vorführen dürfen; elf Tage später nur wurde er unzeremoniell und mit kargem Dank verabschiedet.

Phantasie statt Plan

Unter dem Stichwort „Blaupause“ findet zur Zeit eine geschichtsphilosophisch interessante Kontroverse statt. Außenminister Genscher meint, man dürfe die Phantasie der Geschichte nicht in eine Zwangsjacke stecken, man müsse ihr vielmehr freien Lauf lassen.

Zeitspiegel

Die Vermutungen über eine amerikanische Beteiligung an dem kürzlich gescheiterten Coup gegen den panamaischen Diktator Noriega wollen nicht verstummen.

Aufbruch gegen die Autorität

Der goldene Herbsttag treibt die Dresdener hinaus ins Freie. Vom Bahnhof her flanieren sie scharenweise die Prager Straße herunter, vorbei an den riesigen, fahlen sozialistischen Zweckbauten und hinunter ans Elbufer mit seiner ausladenden Residenzarchitektur: Semper-Oper, Brühische Terrasse, Fürstenzug.

Worte der Woche

„Mein ganzes bewußtes Leben habe ich in unverrückbarer Treue zur revolutionären Sache der Arbeiterklasse und zu unserer marxistisch-leninistischen Weltanschauung der Errichtung des Sozialismus auf deutschem Boden gewidmet.

Baker setzt auf die Perestrojka

Gedrängt von den Kritikern bei den Demokraten, beeindruckt von seinen Gesprächen mit Schewardnadse in Wyoming und nunmehr überzeugt, daß Perestrojka eine "historische Gelegenheit" ist, treibt Außenminister Baker die Neuformulierung der amerikanischen Außenpolitik gegenüber der Sowjetunion weiter voran.

Demokratie hat er nie gelernt

Auf das „Wir-Gefuhl“ der Gesinnungsgefahrten hat er bis zuletzt gehofft. Er konnte sich nicht vorstellen, daß sie ihn einfach abhalftern wurden.

Pfadfinder auf neuen Wegen

Steffen Reiche, Mitbegründer der Sozialdemokratischen Partei der DDR, zeigt Maß und Elan

Die Justiz – schuldig

Inmitten der Erregung über das "zum Himmel schreiende Unrecht" an den vier von Guildford bewies das britische Establishment seine hochentwickelte Fähigkeit, allen Stürmen zu trotzen und die eigene Position zu sichern.

"Republik Ungarn": Neuer Anlauf

Gespenster zu bannen, indem man sie ruft – von solcher politischen Magie lag etwas in der Luft, als es zwölf Uhr schlug und vom Balkon des Budapester Parlaments mit bebendem Pathos die Worte fielen: "Ich erkläre feierlich .

Irrungen der Nahost-Diplomatie: Manöver zwischen Sumpf und Abgrund

Der Sonnenuntergang am Sabbatabend, wenn sich die Straßen in Israels Städten binnen Minuten mit hupenden Autos füllen und die Kneipen die Rolläden hochziehen, ist nicht der Zeitpunkt, zu dem Ministerpräsident Jitzchak Schamir üblicherweise öffentliche Erklärungen abgibt.

Bonner Bühne: Nur nicht aufregen

Wo leben wir eigentlich? Jedenfalls nicht am Nabel der Welt. Selten sind Bonner Korrespondenten leichteren Herzens auf Reisen gegangen, mit Brandt nach Moskau, im Gefolge von Mischnick nach Dresden.

Weltbühne: Kein Mandat für Mörder

Zöge Pol Pot morgen wieder in Phnom Penh ein, er täte dies mit dem offiziellen Segen der westlichen Demokratien. Es ist ein Skandal: Auch die Bundesregierung erkennt noch immer die Roten Khmer als die rechtmäßigen Vertreter des kambodschanischen Volkes an.

Nachlese: Commonwealth-Konferenz: Eine gegen alle

Mit zehn Jahren multilateraler Konferenzerfahrung reiste Margaret Thatcher auf die malaysische Hotelinsel Langkawi – zu einem bis kurz vor Schluß „familiär“ anmutenden Treffen mit den 48 Regierungschefs des Commonwealth.

Öffentlicher Nahverkehr: Pingelig durchsucht

Die Stimmung im Hamburger Congress Centrum war gereizt. Rund 3500 Mitarbeiter der Hamburger Hochbahn Aktiengesellschaft (HHA) diskutierten auf einer Betriebsversammlung über geplante umfangreiche Rationalisierungsmaßnahmen.

Im Rampenlicht: Ungelebtes Leben, bühnenreif

So was Ordinäres spiel’ ich net!" Paula Macher, eine der echten Bühnenbegabungen unter den vielen heimlichen Stars des Nürnberger Seniorentheaters, sagt es mit der ihr eigenen Endgültigkeit.

Nichts kommt voran

Mit einem dramatischen Appell richtete sich Außenminister Eduard Schewardnadse Anfang Oktober an die amerikanische Öffentlichkeit: „Vor unseren Augen rutscht die Welt in eine tiefe Wirtschaftsdepression.

Risiko-Los

Wo auch immer deutsche Währungsexperten derzeit über das Europäische Währungssystem (EWS) reden, fällt unweigerlich der Satz: „Eigentlich müßte die Mark aufgewertet werden.

Bonner Kulisse

Seine langjährige Tätigkeit an der Spitze der Gewerkschaft der Eisenbahner Deutschlands läßt den SPD-Bundestagsabgeordneten Ernst Haar nicht los.

Kohlepfennig: Zwickmühle

In Bonn verkaufte Wirtschaftsminister Helmut Haussmann das Vorhaben so, als würde eine Subvention gekürzt. Doch Cardoso e Cunha, der portugiesische Energiekommissar der EG, merkte schnell die Finte.

Wolfgang Hoffmann:: Entsorgung der Politik

Seit der Vorstandsvorsitzende des Düsseldorfer Energiekonzerns Veba, Rudolf v. Bennigsen-Foerder, die nationale Wiederaufarbeitungsanlage im bayerischen Wackersdorf mit einem Federstrich zu Fall brachte, tut sich die Bundesregierung schwer, ihre außer Tritt geratene Atompolitik wieder zu ordnen.

Rudolf Engen: Crash statt Krieg

Immer wenn der Dow Jones Index absackt und in Wall Street wieder einmal Panik ausbricht, versucht man bei der Europäischen Management- und Marketing-Agentur (EMMA) dem Phänomen auf den Grund zu kommen.

Vereinigte Staaten: Wild auf Hafer

Der Braten schimmert seltsam weiß, und der erste Biß bestätigt die Befürchtung – der Truthahn schmeckt nach nichts. Im Restaurant in Los Angeles erklärt der Kellner dem enttäuschten ausländischen Gast, was ein Amerikaner längst geahnt hätte: Auf dem Teller liegt ein low-fat-turkey, ein fettarmer Truthahn.

Wirtschaftsland Bundesrepublik: Fakten gegen Klagen

Klagen ist der Gruß der Kaufleute", sagt ein altes Sprichwort. Wenn Finanzminister Theo Waigel vor deutsche Unternehmer tritt, dann weiß er, was sich gehört: Er stimmt in ihre Klagen ein.

Die Macht aus den Hinterzimmern

Die wichtigsten Schlußfolgerungen von Herbert Henzler sind: Bei dem geringen Anteil der Banken an Aufsichtsratsmandaten und Kapitalbeteiligungen scheinen die Prioritäten der Kritiker anfechtbar.

Der Kurssturz an der Börse: "Bestens" in die Pleite

Auf Nähmaschinen ist Roswitha K. neuerdings schlecht zu sprechen. Schuld daran ist die Commerzbank. Anfang Oktober ließ sich die erfolgreiche Designerin vom Leiter ihrer Bankfiliale Aktien mit guten Gewinnaussichten empfehlen.

Der dritte Mann

Ein zwielichtiger Makler will Bestechungsgeschäfte in der Medienbranche vermittelt haben

Autoseller

Genau 209 580 Autos wurden im September bei den Zulassungsstellen neu angemeldet. Im gleichen Monat des Vorjahres waren es noch fast 44 000 Autos mehr.

Einzelhandel: Das geplante Chaos

Einen Vergleich mit der co op – das wollte Helmut Wagner, der mächtige Vorstandsvorsitzende der Saarbrücker Asko, mit aller Kraft vermeiden.

Festung Europa

Die Brüsseler Kommission will die europäische Autoindustrie vor der japanischen Konkurrenz schützen

Bank und Börse: Die Branche hat den Markt gut im Griff

Wenn das Ergebnis stimmt, läuft das Geschäft, so auch bei den international anlegenden Rentenfonds. Die Millionen fließen nur so auf die Konten dieser Fonds, im vergangenen dritten Quartal allein rund drei Milliarden Mark, wie der Bundesverband Deutscher Investment-Gesellschaften (BVI) kürzlich feststellte.

Markt-Report: Immer mehr Hindernisse

Die Mehrzahl der Börsianer vertritt derzeit die Meinung, daß es den deutschen Aktien schwerfallen wird, in den letzten beiden Monaten dieses Jahres die Spitzennotierungen von 1989 wieder zu erreichen.

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