Ein eucharistisches Lob an die Schwester Albina für die Vortrefflichkeit des reinen Salats, der dem unbefleckten Hackbraten beilag; und für die schismatische Eiscreme + Der Ehrenpriester, 2. 5. 1923

Allerseligste Schwester Albina, Du hattest schon unsere besten modernen Köche überholt. Mit der Vollkommenheit Deines „Huhn à la Beauvais“ hast Du nun die berühmtesten unter den Alten übertroffen. Gestern, während es in mich so hineinglitt, wurde jenes Huhn wieder zum Engel, breitete die Flügel aus und begann, Dein Lob zu singen: „Laudate, Ventriculi, Sanctam Albinam coquam excelsam!“ – Der Sündenpriester der Völlerei, 22. 5. 1926

Liebe Albina, später werde ich eine helle Frau auf einem himmelblauen Leinen haben. Die hellen Frauen haben nach den schwierigen Übungen Hunger. Ich bitte Dich, bereite etwas Kaltes vor zusammen mit dem meisterlichen Hackbraten. Ich umarme Dich. Gabriel – 8. 3. 1932

Liebe Albina, bedauere, Dir einen großen Kummer zu bereiten, aber ich habe plötzlich ein Verlangen nach Can-nel-lo-ni. Du mußt die Cannelloni fertig haben, zu jeder Tages- und Nachtzeit. Cannelloni! Cannelloni! Gabriel – April 1934

Gabriele d’Annunzio, Briefe an seine Köchin. Literaturmagazin 24, Rowohlt Verlag

Reh, Löwe, Höllenhund

Jeder kennt sie, diese ganz und gar verlorenen Tage: schlecht geschlafen, fett gefrühstückt, die Morgenzeitung eine Katastrophe, die Kollegen eine Zumutung, die Kantine ein Fraß. Doch dann kommt die kleine, die beglückende Nachricht, und es wird hell am Horizont, und man ist fürs erste wieder gerettet. Zum Beispiel diese Meldung, wir fanden sie in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, also muß sie wohl stimmen: „Der Kritiker Marcel Reich-Ranicki, bis Ende des vergangenen Jahres in dieser Zeitung verantwortlich für Literatur und literarisches Leben, ist für die Sparte Kultur mit einem ‚Bambi‘ ausgezeichnet worden, dem Medienpreis des Verlagshauses Burda. Marcel Reich-Ranicki, heißt es in der Preisbegründung, habe mit seinen Auftritten im Fernsehen, zumal im von ihm geleiteten literarischen Quartett’ des ZDF, eindrucksvoll zu beweisen vermocht, daß die oft beklagte Buchfeindlichkeit dieses Mediums sehr wohl überwunden werden kann; und daß sich anspruchsvolle Literatur auf dem Bildschirm nicht nur geistreich vorstellen und kritisieren läßt, sondern auch allgemeinverständlich und attraktiv, ja sogar unterhaltsam.“