Börsenspiel

Immer mehr Anleger sind nicht zufrieden mit den Ergebnissen all jener Kapitalanlagegesellschaften, die das Vermögen der Kundschaft hauptsächlich in deutsche festverzinsliche Wertpapiere investieren. Das belegen Zahlen: Stießen die Fondssparer im zweiten Quartal dieses Jahres Anteile im Wert von rund 290 Millionen Mark ab, waren es im dritten Quartal gar über 1,3 Milliarden Mark. Ein Blick auf die ZEIT/Südprojekt-Tabelle zeigt, daß die Wertentwicklung einiger Fonds wirklich zu wünschen übrigläßt. Immerhin schaffte über die Hälfte der untersuchten Vermögen noch nicht einmal die 75-Prozent-Hürde. Mit anderen Worten: Warf eine Bundesanleihe in den vergangenen 21 Monaten netto 4,2 Prozent ab (100-Prozent-Hürde), schafften es die betroffenen Fondsmanager noch nicht einmal, mit dem Geld der Sparer 75 Prozent dieses Wertzuwachses zu erwirtschaften.

Auf den hinteren Rängen der Tabelle fällt eines auf: Zehn der zwanzig Letztplacierten sind sogenannte Ablauffonds, die Sparern mit auslaufenden Lebensversicherungen angeboten werden. Das freiwerdende Geld kann dort sofort wieder angelegt werden. Wer etwa Ende 1987 das Geld aus einer Continentale-Lebensversicherung genutzt hätte, um Rentak-Anteile (Rang 48) der Münchner Kapitalanlage Gesellschaft zu kaufen, hätte Ende September dieses Jahres – also 21 Monate später – nur noch 9988,97 Mark wiederbekommen. Das Geld wäre also im Sparschwein besser aufgehoben gewesen. Dort würden wenigstens immer noch 10 000 Mark drinstecken. „Ein solches Ergebnis“, so Thomas Vorwerk von Südprojekt, „ist indiskutabel und schadet der gesamten Investmentbranche.“ Zur Ehrenrettung der Fondsmanager sei auf den Aktuellen Trend verwiesen. Der zeigt, daß Rentak aufholt.

Problematisch bleibt eines trotzdem: Ablauffonds werden meist von Versicherungsvertretern vermittelt – gegen Provision. Und die muß einkalkuliert werden. Deshalb ist der Ausgabepreis oftmals auch hoch. Wer Rentak-Anteile kauft, bekommt von vornherein 5,26 Prozent abgezogen. Das sind in dem 10 000-Mark-Beispiel immerhin rund 500 Mark, die erst einmal wieder hereingewirtschaftet werden müssen.

Die Fonds in der Spitzengruppe schafften das problemlos. Berenberg-Universal-Renten erwirtschaftete einen Wertzuwachs von netto 10,6 Prozent (siehe Südprojekt-Anlegerperformence), BBV-Fonds-Union immerhin 10,1 Prozent. Nur:

Hierbei handelt es sich gar nicht um reine deutsche Rentenfonds. Das von der Union-Investment-Gesellschaft verwaltete Vermögen ist zu 38 Prozent angelegt in festverzinsliche Wertpapiere ausländischer Schuldner. Die werfen mehr Zinsen ab, sind aber auch riskanter. Beim Fonds der Hamburger Privatbank Berenberg macht der Teil ausländischer Rentenwerte ein Drittel aus. Hinzu kommen rund zehn Prozent Aktien. Thomas Vorwerk zieht aus der Analyse den Schluß, daß deutsche Rentenfonds für Anleger „derzeit nicht empfehlenswert“ sind. Die Manager schafften auf dem heimischen Rentenmarkt keinen überproportionalen Wertzuwachs. Deshalb sei es besser, selbst Papiere zu kaufen, Kommunalobligationen etwa oder Pfandbriefe. Solidus