Die Stimmung bei einem Großteil des Personals der Deutschen Bundespost, die vor ein paar Monaten in die drei Unternehmen – Telekom, Postdienst und Postbank – gesplittet wurde, ist schlecht. „Schlechter kann sie gar nicht sein“, meint ein Sprecher der Deutschen Postgewerkschaft (DPG), und er sollte es wissen. Schließlich hat diese Gewerkschaft den höchsten Organisationsgrad. Für die neuen Leute an der Spitze der drei Unternehmen ist das keine gute Voraussetzung. Die Unternehmen brauchten eigentlich Ruhe.

Verärgert ist die Gewerkschaft vor allem über den Vorstand für Personal und Soziales bei dem Unternehmen Postdienst, wegen der roten Zahlen das Sorgenkind. Wolfhard Bender, der 1982 mit Christian Schwarz-Schilling zur Bundespost kam, erhielt den Job. Bender war zunächst Persönlicher Referent des Ministers und machte allmählich Karriere, ein Schicksal, das er mit den meisten Persönlichen Referenten von Bonner Ministern teilt. Dem sind nur wenige entgangen, so sie ein wenig Köpfchen hatten. Letzteres wird Bender von niemandem abgesprochen. Störend findet die Gewerkschaft vielmehr, daß Bender noch nie mit Personal- und Sozialfragen zu tun hatte. Und weil solche Posten „keine Ausbildungsplätze für Manager“ sind, nimmt Gewerkschaftsboß Kurt von Haaren dem Minister übel, daß er Bender gegen den DPG-Willen berufen hat. Erschwerend kommt hinzu, daß der künftige Vorstandsvorsitzende bei Postdienst, Klaus Zumwinkel, bisher Vorstandschef bei Quelle, für einen „leisen und effektiven“ Führungsstil bekannt ist, eine Umschreibung für radikale Rationalisierungs-Politik, die Zumwinkel bei McKinsey gelernt hat. Dem SPD-Postexperten Arne Bernsen schwant Böses: „Wenn Zumwinkel Personalvorstellungen durchsetzt, wie er sie manchen Unternehmen vorgeschlagen hat, muß er bei der Post mit einem Aufstand des Personals rechnen.“

Die Gewerkschaft wird den Minister fühlen lassen, daß er ihre Vorbehalte ignoriert hat. Sauer hatte die DPG schon reagiert, als Schwaiz-Schilling den BDI-Präsidenten Tyll Necker ausgerechnet als Vertreter des Bundes in den Aufsichtsrat der Telekom berief. Da gehört er sicher nicht hin, gilt er doch als Verfechter einer Total-Privatisierung der Post; das Unternehmen ist aber auch nach der Reform dem Gemeinwohl verpflichtet. Zur Nagelprobe zwischen DPG und Schwarz-Schilling könnte es kommen, wenn Schwarz-Schilling der DPG weiter einen Tarifvertrag über sogenannte Ruhe- und Erholzeiten verweigert. Der Postminister hat die Arbeitszeitverkürzung bei der Post um eine Stunde nämlich raffiniert vieder wettgemacht: Er hat einfach die Ruhezeiten gekürzt.

Ansonsten ist die Besetzung der neuen Vorstände, deren Vorsitzende um die 400 000 Mark im Jahr verdienen sollen, kaum beanstandet worden. Der neue Personalchef bei der Telekom, Wilhelm Freundlieb, bisher schon Personalchef im Ministerium, bekam das O.K. der Gewerkschaft. Man respektiert sich. Weshalb sich Schwarz-Schilling nicht von zwei ohnedies bald in den Ruhestand gehenden Beamten zugunsten jüngerer getrennt hat, bleibt sein Geheimnis. Die altgedienten Postler Helmut Schön, Abteilungsleiter Fernmeldewesen, und Franz Schöll, Abteilungsleiter Organisation, bleiben erst einmal und werden Vorstandsmitglieder: Schön bei Telekom für das Ressort Telephon- und Vermittlungsdienst, Schöll bei Postdienst für Finanzen. Die beiden stehen der Union nahe. Allerdings hat Schwarz-Schilling auch einen „Roten“ Karriere machen lassen. Ministerialrat Gerd Tenzer, bisher Leiter eines Referates und gelernter Diplomingenieur, erhielt das Telekom-Vorstandsressort Netze, Satelliten und Seekabel.

Bis Dezember will der Postminister auch die übrigen Vorstandsmitglieder berufen, die aus der freien Wirtschaft kommen sollen, ebenso wie die Vorstandsvorsitzenden: Zumwinkel bei Postdienst, Günter Schneider bei Postbank, bisher KKB-Bank und Unternehmensberater. An der Spitze der Telekom, dem Juwel der Bundespost, steht Helmut Ricke, bisher Chef bei Loewe Opta. Über seine Talente ist Schwarz-Schilling hingerissen: „Er denkt innovativ, kundennah, marketingorientiert und strategisch.“ Ein echtes Fitneßprogramm – dieser Mann!

Wolfgang Hoffmann