Das Thema Nummer eins ist heute der sogenannte Treibhauseffekt geworden, ein im Grunde ebenfalls seit so vielen Jahren bekanntes Phänomen, daß man sich fragen kann, wieso er in den letzten zwei bis drei Jahren so schnell und so weit in den Vordergrund getreten ist. Das mag wohl vor allem an zwei Dingen liegen:

Erstens hat die Prognose der Wissenschaftler, daß es diesen Effekt gibt, sowohl an Anhängern wie auch an Wahrscheinlichkeit zugenommen. Zweitens beobachtet man auf der Erde ungewohnte einerseits Dürre, andererseits Regenperioden, ferner zum Beispiel nach Zahl und Intensität wachsende Wirbelstürme, die als Folgeerscheinungen des Treibhauseffektes schon vor Jahren prognostiziert wurden.

Gleichwohl ist heute festzustellen: Es ist nicht mit wissenschaftlicher Gewißheit nachgewiesen, daß erstens das Verbrennen fossiler Energien maßgeblich zum Treibhauseffekt führt und daß zweitens der Treibhauseffekt — sollte es ihn geben — dann mit Sicherheit zu katastrophalen Klimafolgen auf dem Globus führen wird.

Diese Feststellung berührt die Frage, mit welchem Ziel unsere Gesellschaft Energie- und Umweltpolitik betreibt. Versteht sie diese Politik als eine Reparaturanweisung definitiv eingetretener beziehungsweise definitiv erwartbarer Schäden des Wirtschaftsprozesses; oder versteht sie Energieund Umweltpolitik als Vorsorgepolitik in dem Sinne, daß die Gesellschaft heutige Wirtschaftskraft auch dafür einsetzt, erkannte Risiken von den nächsten Generationen möglichst fernzuhalten im Sinn und in der Verantwortung des Generationenvertrages?

Wenn man, so auch der Herr Bundespräsident, "Umweltschutz auch als Nachweltschutz" begreift, ist die heutige Diskussion, wie definitiv die Treibhauskrise kommen wird, irrelevant für den notwendigen Konsens, daß dieser Krise vorsorglich zu begegnen ist. Ich will noch einen Schritt weitergehen. Wer wirklich ernsthaft und glaubwürdig eine Politik der solidarischen Gesellschaft vertritt, solidarisch sowohl mit der heutigen wie kommenden Generationen, der bedarf nicht der Mahnung der befürchteten CO 2 Krise. Denn die folgenden Fakten sind seit langem bekannt und unstrittig:

Das Verbrennen fossiler Rohstoffe bedeutet unbestreitbar Leben und Reichtum auf Kosten künftiger Generationen. Deshalb ist die heutige Generation verpflichtet, machbare Alternativen zum fossilen Feuer zu entwickeln und zu vererben, wobei noch keine Generation vor uns so sehr auf Kosten der Zukunft gelebt hat.

Hunger und Energiemangel sowie das Bevölkerungswachstum führen seit vielen Jahren zu einem Prozeß der Weltwaldvernichtung, dessen Geschwindigkeit seit Jahren exponentiell zunimmt, so daß heute schon unveränderbar vorgezeichnet ist, daß der Weltwaldbestand auf der Südhalbkugel im Jahr 2000 nur noch den halben Wert von 1950 beträgt.