Von Wolfgang Zank

Von 1942 bis 1945 habe ich mitgeholfen, die deutsche Wirtschaft auseinanderzunehmen; von 1945 bis 1947 half ich mit, sie wieder zusammenzubauen." Mit diesen Worten beschreibt der amerikanische Topökonom Charles P. Kindleberger die Zeit, in der er beruflich mit Deutschland zu tun hatte. Während des Krieges war er an der Zielauswahl für die US-Luftwaffe beteiligt, und 1946 und 1947 leitete er die Abteilung für wirtschaftliche Angelegenheiten Deutschlands und Österreichs im amerikanischen Außenministerium. Im August 1946 unternahm Kindleberger eine umfangreiche Informationsreise durch Deutschland und Österreich, im März und April 1947 gehörte er der amerikanischen Delegation auf der Moskauer Außenministerkonferenz an. Während dieser Europa-Aufenthalte schrieb er umfangreiche Berichte an Kollegen und Vorgesetzte in Washington. Kindlebergers Berichte, ergänzt durch einige sehr anschauliche Abschnitte aus Briefen an seine Frau, liegen nun gedruckt vor:

  • The German Economy, 1945-1947;

Charles P. Kindlebergers letters from the field;

Meckler Corporation, London 1989;

230 S., 42,50 Pfund

Die deutsche Wirtschaft war in den ersten Nachkriegsjahren in einzelne Produktionsinseln zerteilt. Gesprengte Brücken, Zonengrenzen und der Mangel an Rohstoffen zerschnitten viele Wirtschaftskreisläufe. Die Arbeit, "die deutsche Wirtschaft wieder zusammenzubauen", kam zunächst nur langsam vom Fleck. Dabei spielten Differenzen unter den Besatzungsmächten eine erhebliche Rolle. Die Vereinigten Staaten, Großbritannien und die Sowjetunion hatten sich zwar auf der Potsdamer Konferenz im Sommer 1945 darauf geeinigt, die vier Besatzungszonen als "wirtschaftliche Einheit" zu behandeln. Aber in der Praxis wurde daraus nichts.