Auf der Flucht: Ein deutsches Trauerspiel in fünf Akten

Von Monika Klinger

Das Vorspiel zu den folgenden fünf Aktenfindet in Deutschland statt.

Am 15. Mai 1933 errichten deutsche Studenten Scheiterhaufen, in deren Flammen sie die Bücher „wider den deutschen Ungeist“ verbrennen. Zutiefst beschämend für alle Zeiten: Es hat keiner Inszenierung von Goebbels bedurft, die Studenten haben es freiwillig und freudig mit akademischer Unterstützung getan. „Die deutsche Kunst des nächsten Jahrzehnts wird heroisch, sie wird stählern romantisch, sentimentalitätslos sachlich, sie wird national mit großem Pathos und gleichfalls verpflichtend und bindend sein, oder sie wird nicht sein.“ So, frei nach Ernst Jünger, legt Goebbels die nunmehr geltenden Richtlinien für die Kunst fest, die sich daraufhin entschließt, „nicht zu sein“, und das wörtlich – sie geht in die Emigration.

„Die deutschen Schriftsteller – es darf mit Genugtuung konstatiert werden – haben sich im Jahr 1933 besser bewährt als irgendeine andere Berufsklasse ... ein Massenexodus setzte ein; noch nie zuvor in der Geschichte hat eine Nation innerhalb weniger Monate so viele ihrer literarischen Repräsentanten eingebüßt. Nicht allein die rassisch Kompromittierten suchten das Weite; mit ihnen entfernten sich viele von einwandfrei nicht jüdischem Blut...“ Klaus Mann hat, als er dies niederschreibt, das Land bereits verlassen, dies Name steht auf einer der ersten Ausbürgerungslisten.

Viele fliehen nach Frankreich; hier Zuflucht zu finden hat für die Frankreich; Tradition. „Das französische Volk gewahrt ein Asyl den Fremden, die für die Sache der Freiheit aus ihren Ländern verbannt sind.“ Schon Georg Forster, kurfürstlicher Bibliothekar aus Mainz, hat 1792 dieses in der französischen Verfassung verankerte Recht beansprucht und ist nach Paris geflohen, nachdem er von seinen Landsleuten wegen zu freiheitlicher Ideen geächtet worden war. Außerdem ist Frankreich gleich auf der anderen Seite der deutschen Grenze – nicht weit zurückzukehren von dort. In ein paar Stunden ist man wieder zu Hause. Dieser grauenhafte Spuk wird doch wohl nicht lange dauern?

I.