Als ich sie kennenlernte, tranken wir Tee mit Hannah Arendt in deren New Yorker Apartment am Riverside Drive. Als ich sie das letzte Mal besuchte, tranken wir Tee in ihrer schönen Pariser Wohnung in der Rue de Rennes mit Howard Hawks, der ihren Roman "Kannibalen und Missionare" verfilmen wollte: Mary McCarthy war mondän im besten Sinne des Wortes – weltgewandt, gebildet, bissig und gastlich. Man konnte mit ihr Loup de Mer am Strand von St. Tropez essen, über Tolstois Prosatechnik des Einbeziehens von Klatsch diskutieren oder auf irgendeiner internationalen Schriftstellerkonferenz über John Updike streiten: Immer war sie beides – loyale Kollegin und angriffslustige Widersacherin. Vielleicht hat ihr das die alberne Etikettierung Norman Mailers, "Our First Lady of Letters", eingetragen.