Gleich vier Großstädte planen den Bau von Riesenarenen für Sport, Show und Kultur

Von Hannes Petzer

Köln will eine, Düsseldorf will eine, und selbst in Gelsenkirchen und Essen ist es aus mit der Bescheidenheit: Im Land an Rhein und Ruhr sollen neue Hallen gebaut werden, riesige Veranstaltungsarenen für Sport, Show und Kultur. Und nach dem Motto „besser, moderner, größer“ entstehen Zukunftspläne von Köln bis Gelsenkirchen. Die Konkurrenz fürchtet dabei keiner und im stillen doch jeder.

Der kleinste im Reigen der potentiellen Hallengiganten, die 285 000 Einwohner zählende Revierstadt Gelsenkirchen, will zugleich die größten Sprünge machen. Während Köln und Düsseldorf „multifunktionale Großhallen“ für 20 000 und 25 000 Besucher planen, präsentierte Gelsenkirchens umtriebiger Oberstadtdirektor Jürgen Linde jüngst ein Hallenkonzept für 45 000 Besucher – und alle sollen sie Sitzplätze vorfinden. Die Stadt im Zentrum des Ruhrgebiets, die sich seit langem als Hauptaustragungsort für die Olympischen Spiele im Revier bemüht, will nahe der Fußballarena Parkstadion die „Arena 2000“ hochziehen, die für Fußballspiele ebenso geeignet ist wie für Rockkonzerte und Opern. „Nachmittags Fußball, abends Aida“, schwärmte das Lokalblatt Ruhr-Nachrichten nach Bekanntwerden der Pläne.

Der Bau der Arena soll hundert Millionen Mark kosten. Der Clou ist ein Schiebedach, das bei Bedarf geöffnet werden kann – eine Erfindung des Ludwigshafener Ingenieurbüros Josef Wund, das zugleich der entscheidende Investor ist. Ganze Tribünenteile und Bühnen sind verschiebbar, im Handumdrehen, versprechen die Architekten, läßt sich das Madison-Square-Garden-Volumen auf eine intime Kleinhalle reduzieren.

Begeisterung haben die Hallenpläne nicht nur bei der Gelsenkirchener SPD-Ratsfraktion hervorgerufen, die mit deutlicher Mehrheit das Revierrathaus regiert, sondern auch beim Gelsenkirchener Traditionsverein Schalke 04. Großzügig haben die Hallenplaner den Königsblauen zugesagt, zukünftig alle ihre Heimspiele unter dem Arenadach austragen zu können – zum Nulltarif. Schließlich ist einer der Wund-Partner und Geschäftseinfädler der Euskirchener Fußballprofi-Händler Rüdiger Schmitz, dessen Geschäftspartner wiederum der ehemalige Schalke-Keeper und Buchautor („Anpfiff“) Harald „Toni“ Schumacher ist, der derzeit in der Türkei seinem Beruf nachgeht. Mit Blick auf Schalkes unteren Tabellenplatz in der zweiten Liga feixen Spötter in der Fußballszene des Reviers bereits, sie hätten ja schon immer gefordert, daß die Königsblauen in einem überdachten Stadion spielen müßten – schließlich seien Glücksspiele unter freiem Himmel verboten.

Oberstadtdirektor Linde sieht das Hallenspektakel zwar nüchterner („Wir stehen erst am Beginn der Verhandlungen“), doch auch er hat keinen Zweifel an der „Seriosität des Angebots“. Die Stadt will sich jedenfalls bei den Kosten diskrekt zurückhalten. Zwar könne überlegt werden, meint Linde, ob eine mögliche Finanzierungslücke im Investitionsplan des Ingenieurbüros Wund mit einer Bankbürgschaft geschlossen werden kann. Doch in die eigene Kasse will die Stadt (Haushaltsdefizit in diesem Jahr: fünfzehn Millionen Mark, Arbeitslosenquote: gut vierzehn Prozent) nicht greifen. „Wir stellen lediglich das Grundstück kostenlos zur Verfügung“, sagt Linde. Vertraglich soll außerdem verhindert werden, daß die Stadt später zur Deckung von Finanzierungslücken im Hallenbetrieb herangezogen wird.