Beim Geschäft mit dem Edelmetall bleiben die Hoffnungen der Ärmsten unerfüllt

Lautlosöffnen sich die armdicken Stahltüren. Kaltes Licht fällt in den Raum. Wie Kindersärge liegen die unzähligen Goldbarren in Regalen aufgebahrt. Unter meterdickem Beton ruht das Edelmetall sicher in seiner Gruft.

Schwitzend schleppt José Raimundo de Jesus den Sack mit Steinen nach oben an den Kraterrand. Eine Tonne Abraum schafft er täglich aus der Tiefe. Tausend nackte, schlammverschmierte Männer wählen wie besessen neben ihm im Dreck.

Von der Goldgrube in Amazonien bis zum Haupttresor der Bank in der fernen Schweiz führt ein langer, unwegsamer Pfad. Er beginnt bei den formigas, den menschlichen Ameisen, die das rote Metall suchen, und endet bei den Dunkelmännern, die es horten.

Mehr als zwei Millionen Menschen schürfen, schaufeln, kratzen, hacken und graben in Brasilien nach Gold. Als man vor zehn Jahren in der Sierra Pelada faustgroße Brocken des Edelmetalls fand, brach der Goldrausch in Amazonien aus. Überall wird in den Flußsänden und im Tonschiefer der Kontinentalplatte Brasiliens nach Gold gebuddelt.

Zu den Eldorados im Regenwald kommen alle, die nichts mehr zu verlieren haben. Heerscharen hungernder Landarbeiter, das Lumpenproletariat aus den Favelas, Strandgut der Gesellschaft und das fahrende Volk ziehen nach Westen und Norden. Städte aus Bretterbuden wachsen wie Krebsgeschwüre, Brände fressen sich in den Regenwald. Hemmungslos wird niedergemacht, was im Wege steht. Das Millionenheer der garimpeiros reißt die Erde auf und durchwühlt sie, gräbt Flüsse ab und füllt sie mit Müll, brennt, brandschatzt und mordet und hinterläßt eine einzige Wüste. An den Rändern der Staubpisten und Schlammwege bleiben die Erschöpften zurück, die Kranken, Frauen und Kinder. Die Männer ziehen weiter auf der stetigen Suche nach Gold.

Je härter die Arbeit, desto geringer der Lohn. Die „Ameise“, die wie José Raimundo de Jesus Tonnen um Tonnen goldhaltigen Gesteins aus der Grube schafft, bekommt einen kläglichen Tageslohn. Die „Facharbeiter“, die mit Hacke und Schaufel die Goldadern aufbrechen oder mit scharfem Wasserstrahl das Geröll aufschwemmen, erhalten eine Gewinnbeteiligung, ebenso wie der Aufseher, der am Rand der Grube die Liste führt. Der Löwenanteil geht aber an Besitzer oder Aktionäre der Grube.