Er hat seinen zerbeulten gelben Wolga direkt auf dem Bürgersteig geparkt. Direkt vor der Ankunftshalle von Scheremetjewo 2. Am Flughafeneingang schlendert er hin und her, spielt gedankenverloren mit seinem Schlüsselbund. Schwer bepackte Reisende eilen an ihm vorbei. Polen, Lateinamerikaner, eine Reisegruppe aus der DDR. Mich scheint er sofort erkannt zu haben, denn er bleibt vor mir stehen und fragt: „Bundesdeutschland?“ Und dann: „Taxi?“

Ich nicke, habe es nämlich eilig. In einer Stunde geht mein Flug vom Flughafen Wnukowo nach Tiflis in Georgien. Wenig Zeit für eine Fahrt durch Moskau, von Nord nach Süd, fast fünfzig Kilometer. Als ich in meinen Taschen nach Rubelscheinen krame, erkennt er auf den Banknoten Lenins Konterfei und winkt verächtlich ab.

„Deutsche Mark“, sagt er, „fünzig Mark.“ Dabei lächelt er überlegen. Denn vor den wenigen Taxis, die vorfahren, haben sich bereits lange Schlangen gebildet. Mitgenommen wird dort jeder; zum offiziellen Preis von zwölf Rubeln. Mein Taxifahrer aber sucht sich seine Fahrgäste selbst aus. Das kostet Devisen, dafür geht’s schneller, und deshalb steige ich ein. Bei der Fahrt durch die moorigen Birkenwälder Richtung Moskau einigen wir uns schließlich auf eine Stange Westzigaretten. Mein Fahrer grinst zufrieden, die Ware ist schließlich einen halben Monatslohn wert, und fährt mich in einer Stunde nach Wnukowo.

Meinem georgischen Freund Lewan erzähle ich später diese Geschichte. Er ist Sozialmediziner und Assistent am medizinischen Lehrstuhl der Universität in Tiflis. Hundert Rubel verdient er dabei im Monat; er ist 29 Jahre alt, und seinen Lebensunterhalt müssen nach wie vor seine Eltern bestreiten.

„Weißt du“, sagt er, „die Taxifahrer schwimmen hier in Georgien im Geld. 1500 Rubel im Monat sind keine Seltenheit, wenn einer gut arbeitet.“ Er empfiehlt mir: „Fahr doch das nächste Mal mit dem Bus.“ Und beschreibt mir die Haltestelle in Wnukowo. „Aber paß auf, da wollen viele Leute mit!“

Ich probier’s also aus. Gegen Mitternacht stehen am Bussteig Richtung Aerowaksal, einer Art City Air Terminal, schon etwa hundert Menschen. Dort am Aerowaksal muß ich zum Flughafen Scheremetjewo 2 noch einmal umsteigen, sagte mir Freund Lewan. Der Bus fährt etwa jede halbe Stunde vor. Nach eineinhalb Stunden und drei verpaßten Bussen habe ich schließlich Erfolg.

Ich bin weit genug in der Schlange vorgedrungen, und als der Busfahrer das Gepäckfach aufreißt, kann ich gerade noch meinen Koffer hineinschleudern. Denn, wem’s gelingt, sein Gepäck zu verstauen – der kann auch mitfahren. Am Einstieg kommt es trotzdem zu Reibereien. Der Bus scheint voll zu sein, und immer noch stehen Leute draußen, die Obstkisten und Waschmittelpakete im Stauraum haben. Einer wird wütend; stemmt sich mit aller Kraft gegen den Bus und versucht, ihn am Weiterfahren zu hindern.