Wir wollten den größtmöglichen Schock auslösen“, erklärte ein Berater von Nicaraguas Regierung. So gesehen erzielte sein Präsident Daniel Ortega in Uniform und rotschwarzem Halstuch auf der Gipfelkonferenz von sechzehn amerikanischen Staatschefs in Costa Ricas Hauptstadt San José einen vollen Erfolg: Managuas Aufkündigung der einseitigen Feuerpause im Konflikt mit der Contra beherrschte das Treffen.

Die Sandinisten wollten die internationale Aufmerksamkeit neuerlich auf dieses Thema lenken. Denn die von Washington unterstützten Rebellen sollen laut einem Beschluß der fünf mittelamerikanischen Präsidenten zwar bis zum 5. Dezember demobilisiert werden; aber bisher deutet wenig darauf hin, daß die Entscheidung auch befolgt wird.

Ursprünglich wollten die Sandinisten bereits in diesen Tagen eine großangelegte Militäroffensive starten. Aber kaum hatte die Ankündigung die anwesenden Präsidenten aus der Feiertagsstimmung geschreckt, sandte Ortega schon wieder Zeichen des Einlenkens aus: Die Feuerpause würde sofort erneuert, wenn der amerikanische Kongreß 47 Millionen Dollar Contra-Hilfe an die Vereinten Nationen weiterleite, um damit die Auflösung der Rebellenverbände zu unterstützen.

Die Aktionen der Contras, so begründeten die Sandinisten ihre Forderung, seien in den letzten Wochen wieder aufgeflammt. Die Rebellen hatten schon vor dem Gipfel verkündet, sie würden nicht erlauben, daß demnächst „Kollaborateure der Sandinisten wählen“ könnten. Auch US-Außenminister Baker bestätigte indirekt die Anklagen Ortegas: „Tausende von Contras sind nach Nicaragua zurückgekehrt, und wir haben nicht immer Kontrolle über sie.“

Aber ein westeuropäischer Diplomat schüttelte trotz dieser Gründe den Kopf: „Das hätten die Sandinisten alles geschickter machen können.“ Eine Drohung, die Feuerpause aufzuheben, hätte genügt. Nicaraguas Regierung manövrierte sich in eine Zwickmühle. Washington wird Ortegas Bedingungen kaum erfüllen; und Managua kann die eigenen kriegerischen Töne kaum dämpfen, ohne sein Gesicht zu verlieren.

US-Präsident George Bush ging während seines ersten Besuchs als Präsident in Lateinamerika nicht auf die Begründungen der nicaraguanischen Regierung ein. Statt dessen griff der Gast aus Washington zu rüden Beschimpfungen: Das „Männlein“ aus Nicaragua sei ein „unerwünschtes Tier auf einem Gartenfest“.

Angesichts zweier Elefanten im Porzellanladen geriet der Rest des Präsidentengipfels nahezu völlig aus dem Blickfeld. Gastgeber Oscar Arias, der 1987 den Friedensnobelpreis erhielt, sah trotz der Auseinandersetzung wichtige Fortschritte – vor allem hinsichtlich der 450 Milliarden Dollar lateinamerikanischer Auslandsschulden. Arias blieb optimistisch: „Bush ist nicht mehr derselbe. Noch nie zuvor hat er so deutlich aus erster Hand die Hintergründe und Folgen der Schuldenkrise erfahren.“ W. G.