Ein Projekt jagt das andere, Ausstellungen folgen aufeinander, die sogenannte Kunstproduktion konkurriert mit der Kaninchenproduktion: Das ist Kunstbetrieb heute, im allgemeinen und besonders in unserem Lande. Wenn das Museum Quadrat in Bottrop jetzt eine Retrospektive von rund hundert Arbeiten des Engländers Ben Nicholson zeigt und nicht ohne Stolz anmerkt, dies sei die erste größere Präsentation hierzulande seit dreißig Jahren, so ist man zunächst einmal verblüfft. Schließlich gehört der erst 1982 im Alter von 86 Jahren gestorbene Maler zu den bedeutenden englischen Künstlern dieses Jahrhunderts, und einige bundesdeutsche Museen (etwa in Hannover, Mannheim, Düsseldorf und Hamburg) haben ihren Nicholson-Bestand auch bis heute nicht ins Depot verbannt. Doch die Zeit, die Moden sind, so scheint es, an seinen stillen Kompositionen vorübergegangen. Als Werner Schmalenbach den Künstler 1969 in der hannoverschen Kestner-Gesellschaft vorstellte, war das Werk eine Entdeckung. Eine größere Auswahl von Arbeiten vor allem der fünfziger und sechziger Jahre jetzt wiederzusehen, heißt nicht einmal, sie nun neu, als quasi historische Objekte betrachten zu müssen. Die Zeit ist nicht darüber hinweggegangen; sie haben ihre eigene Gegenwart, ihre subtile Balance geometrischer Form und lichthaltiger Erdfarben erhalten: Reliefs, die Abstraktionen von Architekturen sind oder Zeichnungen und druckgraphische Folgen, in denen sich einfache Formen und äußerst sparsame lineare Bildgefüge verwandelt haben. „Ein Quadrat und ein Kreis sind – in der Kunst – nichts in sich selbst, sie sind lebendig, allein durch den instinktiven und inspirierten Gebrauch, den ein Künstler von ihnen macht, um eine poetische Idee auszudrücken.“ Die Ausstellung in Bottrop gibt eine gute Vorstellung davon; der Katalog bietet einen Einblick ins Werk. Man hätte ihn sich nur (ein seltener Fall) ausgiebiger gewünscht – für alle, die Nicholson nun entdecken. (Bis zum 10. Dezember, Katalog 18 Mark.)

U. B.

Wichtige Ausstellungen

Berlin: „Bernhard Heisig – Retrospektive“ (Martin-Gropius-Bau bis 31. 12.; Katalog 48 DM)

Hamburg: „Europa 1789 – Aufklärung – Verklärung – Verfall“ (Kunsthalle bis 19. 11; Katalog 40 DM)

Hamburg: „Der Silberschatz von Rozogen / antike Kostbarkeiten aus Bulgarien“ (Museum für Kunst und Gewerbe bis 5. 11.; Katalog 28 DM)

Hildesheim: „Die Mongolen“ (Roemer- und Pelizaeus-Museum bis zum 26. 11.; Katalog 49 DM)