Kaiserslautern

Kein geringerer als Sepp Herberger hatte es beizeiten erkannt: „Wer viel Spaß haben will im Spiel, muß die Sache ernst nehmen.“ Eingedenk dieser Fußball-Weisheit des seligen Alt-Bundestrainers haben Gisela Fiedler-Bender und Heinz Höfchen eine Ausstellung „Fußball in der Kunst“ arrangiert. In der Pfalzgalerie Kaiserslautern haben sie, nur einige Steilpässe weit vom Betzenberg entfernt, beflissen Fundstücke, Objekte, Installationen, Graphiken und Gemälde zum Thema zusammengetragen.

Eines der schönsten Stücke der umfangreichen Fußballschau ist die überdimensionale Fußballer-Figur „Ne bougez plus Henri“ vom Bretonen Bernard Melois. Im durchgehend weiß-blau-schwarz geringelten Trikot der Jahrhundertwende, mit mächtigen braunen Kickstiefeln und einem Kopf so rund und prall wie ein Fußball, den die Gestalt in ihrer Linken trägt, ist sie der Typus des Fußballprofis schlechthin: außen emailliertes Stahlblech, innen hohl wie eine taube Nuß.

Gewisse intellektuelle Vorbehalte dokumentieren sich in zahlreichen Variationen über die Gewaltfrage im deutschen Fußball. Alfred Hrdlicka steuert eine Graphik bei, betitelt „Freizeitgestaltung für Schwererziehbare“. Peter Sorge zeichnet ein wüstes Getrete, ergänzt von der Feststellung „Kluge Frauen lassen ihre Männer toben“. Brutal geht Wolfgang Petrick zur Sache: Sein „0 : 0“ entpuppt sich als Schlachtfest verkrüppelter Fußball-Zombies. Die Bundesrepublik Deutschland, Leihgeber der Zeichnung, hütete diesen Schatz bislang im Fundus: Keines der Bonner Ministerialbüros mochte sich mit dem schaurig-schönen Monstrebild schmücken.

Die Herren vom Deutschen Fußballbund mögen bereits Böses geahnt haben, als die Pfalzgalerie sie um Unterstützung bei der Ausstellung bat. Statt Geld boten sie „ideelle Hilfe“ an. Immerhin, Fritz Walter höchstpersönlich bekundete nach der Eröffnung, daß ihm die Ausstellung gefallen habe.

Bei allen bissig-bösen Untertönen ist denn auch beeindruckend, wie ballverliebt und spielfreudig die Künstler mit ihrem Sujet umgehen. So blieb es nicht aus, daß sie sich nach der Ausstellungseröffnung spontan zu einem nachmittäglichen Fußballmatch in Kaiserslautern verabredeten.

Eberhard Reuß