Von Charles Buffum

NEW YORK. – Crack hat mein Leben wertvoller gemacht. Seit ich vor ein paar Monaten mit der Droge in Berührung kam, bin ich mit meinen Gedanken in der Gosse. Auch das Fernsehen interessiert mich nicht mehr. Und nachts treibe ich mich auf der Straße herum. Aber das alles ist eine Verbesserung.

Vorher war ich ein typisches Mitglied der gehobenen städtischen Mittelklasse: mit Eigentumswohnung im Stadtinneren, anspruchsvoller Karriere und gelegentlichen Anfällen von Selbstzweifeln. Crack war für mich ein abstrakter Begriff, der mir den Schlaf so wenig raubte wie das Defizit im Staatshaushalt, Aids oder alle möglichen politischen Skandale.

Dann stieß ich während eines Abendessens mit einer Bekannten auf die neue Droge. „Schau dir diese Crack-Hülsen an“, sagte sie. „Jeden Morgen liegen die hier herum. Sie verkaufen das Zeug direkt an unserer Straßenecke, und ich weiß nicht, was man dagegen tun kann.“

Ich hatte die leuchtendbunten Plastickapseln und die zentimeterlangen Plastikröhrchen, in denen Crack verpackt wird, vorher nie wahrgenommen. Jedes von ihnen bedeutet ein Geschäft von fünf bis zehn Dollar pro Schuß.

Als ich in meine eigene Gegend zurückkehrte, fiel mir plötzlich auf, wie viele Crack-Packungen auch bei mir auf dem Bürgersteig und in der Straßenrinne lagen. Ich war schockiert. Mit einem Mal wußte ich: Ich lebte in einem Supermarkt für Drogen.

Die Leute hinten an der Ecke waren Drogenhändler. Obwohl sie mich nicht unmittelbar bedrohten, wurde mir doch klar, daß ihnen – und nicht uns, den Steuerzahlern – nach Einbruch der Dunkelheit die Straße gehörte. Unter Crack-Kunden war das Viertel als Ort bekannt, an dem man sich mit dem Stoff eindecken konnte; hier ging es um viel Geld. Woher aber nehmen die Kunden das Geld – aus Überfällen? Einbrüchen? Und wo brechen sie ein? – aller Wahrscheinlichkeit nach in unserer Nachbarschaft.