Ebenso ausführlich wie über das Haremsleben berichtete die Prinzessin über die Erziehung der Fürstenkinder. Zwar lernten die meisten kaum lesen und das Zählen nur bis tausend. Die junge Salme aber übte sich in Säbelfechten, Pistolenschießen und Reiten. Doch am schönsten war der orientalische Müßiggang: Morgens wurde ihr zum Aufwachen der Rücken geknetet, abends fächelte eine Sklavin sie mit einem Palmenwedel in den Schlaf. Und niemals mußten die Haremsmütter Berge von Kinderwäsche säubern: Strümpfe, Röcke, Blusen, Gamaschen, Muffs und Paletots gab es für die kleinen Sansibarer nicht.

Schließlich sinnierte die arabische Prinzessin auch über den Brauch ihrer Landsmänner, sich stets bis an die Zähne zu bewaffnen. Ihr Schluß: Das wäre ungefähr gleich absurd wie die Sitte deutscher Ehemänner, abends in eine nach Bier und Rauch stinkende Kneipe zu gehen. "... man sollte billig auch anderen Völkern das Recht zugestehen, frei und ungehindert ihre nationalen Ansichten und Einrichtungen, wie sie sich im Laufe der Jahrhunderte doch sicher nicht ohne den Einfluß gereifter Erfahrung und praktischer Lebensweisheit herausgebildet haben, weiter kultivieren zu dürfen."

Salme von Oman und Sansibar wurde von ihren Brüdern als Christin aus der Familie verstoßen. Dennoch kehrte sie unter dem Schutz deutscher Kriegsschiffe zweimal in ihre mittlerweile deutsche Heimat zurück. Bismarck wollte dem Sultan zeigen, daß die Deutschen auf der Insel das Sagen hatten, und soll sogar erwogen haben, Salmes Sohn, Rudolph Ruete, als Deutschen auf den Sultansthron zu setzen. Letztlich entschied der Kanzler dann anders: Im Jahr 1890 gaben die Deutschen ihre Schutzrechte in Sansibar an die Engländer ab und erhielten dafür die bis dahin britische Insel Helgoland. Der Sultan hatte nichts mehr mitzureden. Seine Schwester aber verbrachte ihren Lebensabend als "schlechte Christin und etwas mehr als eine halbe Deutsche" bei den Schwiegereltern ihrer Tochter in Jena.