Von Christian Hacke

Es gibt zwar viele Wissenschaftler und Politiker, auch Journalisten, die eine Gesamtdarstellung der Außenpolitik der Bundesrepublik schreiben möchten, aber die Realität zeigt, wie schwer solche Ansprüche einzulösen sind. Nur wenige haben in den vergangenen Jahrzehnten überzeugende Arbeiten zu diesem Thema vorgelegt: Hans-Peter Schwarz, Arnulf Baring, Waldemar Besson, Helga Haftendorn und Werner Link gehören zu den deutschen Wissenschaftlern, die die Analyse der bundesrepublikanischen Außenpolitik auf eine anspruchsvolle Ebene gehoben haben. Dabei nicht vergessen werden dürfen die Beiträge ausländischer Kollegen: Alfred Grosser und Raymond Poidevin aus Frankreich und vor allem die englischen Autoren Philip Windsor und Roger Morgan sowie aus den USA David Calleo und Wolfram Hanrieder.

Hanrieder, geboren 1931 in München, wanderte nach dem Zweiten Weltkrieg als Achtzehnjähriger in die USA aus, wurde 1963 Professor an der Princeton University und 1967 Professor an der University of California in Santa Barbara, wo er noch heute lehrt. Knapp zwanzig Jahre nach Gründung der Bundesrepublik schrieb er seine erste Gesamtdarstellung zur Außenpolitik der Bundesrepublik, die Waldemar Besson als die beste Analyse der deutschen Außenpolitik seiner Zeit bewertete. Nun, zwanzig Jahre später, legt Hanrieder eine völlig neue Gesamtdarstellung vor, die ihn auf dem Höhepunkt seines wissenschaftlichen Wirkens zeigt:

  • Wolfram Hanrieder:

Germany, America, Europe – 40 Years of German Foreign Policy

Yale University Press, New Häven u. London 1989; 496 S., 29,95 Dollar

In seinem Buch geht Hanrieder nicht chronologisch oder geographisch vor, sondern analysiert die Außenpolitik der Bundesrepublik mit Blick auf folgende vier Ebenen: die nukleare, die militär-strategische, die territorial-geopolitische und die ökonomische Ebene. Zusammen geben sie, so Hanrieder, unterschiedliche Perspektiven frei für die Vergangenheit und Zukunft deutscher Außenpolitik, zugleich bilden sie das, was man heute als die Multidimensionalität des Staatensystems der Nachkriegszeit bezeichnet.