Wer fern der Heimat einen Unfall erleidet, dem kann schnell und unbürokratisch geholfen werden. Vielerorts stehen „Helferkreise für verunglückte Reisende und Touristen“ Verletzten und ihren Angehörigen zur Seite.

Die große Radtour, zu der eine Münchner Familie im Sommer 1984 aufgebrochen war, fand kurz vor Hamburg ein schreckliches Ende: Bei einem schweren Verkehrsunfall kamen der Vater und der Sohn ums Leben; die Ehefrau wurde verletzt ins Krankenhaus eingeliefert. Daß die verzweifelte Frau, die allein in der fremden Stadt zurückblieb, sicher Hilfe brauchte, war Gisela Arp aus Hittfeld bei Hamburg schnell klar, als sie von dem Unfall in der Zeitung las. Sie besuchte die Münchnerin im Krankenhaus – die Idee eines „Helferkreises für verunglückte Reisende“ war geboren.

Aus Gisela Arps Bekanntenkreis bildeten sich damals die erste Helfergruppe. Inzwischen wurden in Norddeutschland sieben weitere und in Süddeutschland sogar 36 entsprechende Initiativen gegründet. Sogar in Frankreich gibt es neuerdings eine Dependence. Die Mitglieder sind häufig Menschen, die selbst einmal in der Fremde in Schwierigkeiten gerieten oder einfach nur helfen wollen. Besonders gefragt sind Mitarbeiter mit Sprachkenntnissen.

„Vor allem Ausländer, die hier verunglücken, brauchen Unterstützung“, sagt Ursula Weber, ein Mitglied der ersten Stunde. Im Raum Hamburg hat sie besonders häufig mit Skandinaviern zu tun. Zum Beispiel mit der schwedischen Familie, deren Vater bei der Rückkehr aus dem Spanienurlaub tödlich verunglückte, während die Mutter und die beiden Kinder unverletzt blieben. Beim Helferkreis fanden die drei erst mal ein Obdach und ein wenig Trost.

Genau wie die Schweden sprach auch der Pole kein Deutsch, der seinen Trabant am Unfallort zurücklassen mußte, als er ins Krankenhaus eingeliefert wurde. Ein Helfer holte nicht nur sein Auto und brachte ihm sein Gepäck. Er ließ den Wagen auch gleich reparieren, damit der Genesende noch vor Ablauf seines Visums in die Heimat zurückkehren konnte. Und sogar die Regulierung des entstandenen Schadens durch die Versicherung des Unfallgegners konnte noch vor Abre se des Polen erreicht werden.

„Jeder von uns bringt das ein, was er an Arbeit leisten kann“, sagt Ursula Weber. Die einen stellen kurzfristig Zimmer zur Verfügung, betreuen vorübergehend die Kinder oder die mitgereisten Haustiere der verunglückten Reisenden; die anderen machen Krankenbesuche oder dolmetschen. Sogar ein Versicherungsfachmann und ein Anwalt, der schnell und kostenlos Rechtsauskünfte gibt, haben sich dem Helferkreis angeschlossen. Zweimal jährlich tauschen Vertreter der verschiedenen Gruppen Erfahrungen bei Treffen aus, die der ADAC für sie organisiert. Sonst arbeiten die einzelnen unbürokratisch organisierten Kreise voneinander unabhängig. Das Ziel: Eines Tages soll die gesamte Bundesrepublik von einem dichten Netz von Gruppen überzogen sein. Dann könnte der ADAC zur Dachorganisation werden.

Die Krankenhäuser und die Polizei, Unfall- und Abschleppdienste, Kirchengemeinden und die Feuerwehr informieren die Helferkreise, wenn sie gebraucht werden. Denn die ehrenamtlichen Helfer schließen eine Lücke, die von den etablierten Institutionen nicht gefüllt werden kann.