Otto Schily verläßt die Grünen, legt sein Bonner Mandat nieder und wechselt zur SPD, bei der er sich wohl um eine Bundestagskandidatur bewerben wird: Endpunkt einer langen Entfremdung zwischen der neuen Partei und einem ihrer Prominenten, die sich immer schwer miteinander getan haben.

Dem Radikaldemokraten und Rechtsverteidiger Schily mißfielen unklare Positionen der Grünen zur Gewaltfrage und zum Parlamentarismus. Die Grünen rieben sich an dem medienbewußten Einzelgänger, dem überzeugten Realo, der je länger, desto einsamer seine Wege ging, integer, aber nie integriert. Daß er für die Partei Punkte sammelte, etwa im Flick-Untersuchungsausschuß, wog die Animositäten zum Schluß nicht mehr auf.

Eine Trennung also ohne Überraschung, aber mit einem unschönen Beigeschmack. Am Wochenende zuvor hatten die nordrhein-westfälischen Grünen beschlossen, ihren Mitgliedern nicht mehr zwei Legislaturperioden in einem Parlament zu gestatten; Schily hätte also nicht wieder für den Bundestag kandidieren können. Berufspolitiker wollen die Grünen nicht, Verdienste hin, Prominenz her. „Otto Schily ist nicht der Lotse, und die Grünen sind kein sinkendes Schiff“, schrieben sie zum Austritt. In der Tat: Lotsen besteigen viele Schiffe, aber während des größten Teils der Fahrt sind Kapitän und Mannschaft auf sich gestellt. H. B.