Am 10. November wollte der Veba-Vorstandsvorsitzende Rudolf v. Bennigsen-Foerder seine Mitarbeiter und die Öffentlichkeit noch einmal verblüffen. Für diesen Tag hatte er mehrere hundert leitende Mitarbeiter aus allen Veba-Gesellschaften zu einer Konzerntagung nach Düsseldorf eingeladen.

Diese Führungsmannschaft sollte es zuerst erfahren, daß er den Vorstandsvorsitz im nächsten Jahr niederzulegen gedenke.

Ein Jahr vor dem Erreichen des Pensionsalters von 65 Jahren, so hatte er seit langem geplant, wollte er dem Finanzchef der Veba AG, Klaus Piltz, das Ruder überlassen und den Aufsichtsratsvorsitz übernehmen. Günter Vogelsang, der dem Aufsichtsgremium seit vielen Jahren präsidiert, wird im kommenden Januar siebzig Jahre alt und wäre bereit gewesen, für den bisherigen Vorstandsvorsitzenden Platz zu machen.

Was nun an der Veba-Spitze geschieht, ist vordergründig also nur ein vorgezogener Stabwechsel: Piltz wird nicht erst 1990, sondern schon jetzt Vorstandsvorsitzender. Und daß Piltz das Zeug hat, den Konzern zu führen, ist wohl unbestritten. Der 54jährige wirkt seit langem bei allen wichtigen Entscheidungen mit, er sitzt bei den wichtigen Konzerngesellschaften mit im Aufsichtsrat.

Dennoch wird ihm „Onkel Rudolf“, wie der Konzernchef sich selbst gern nannte, fehlen. Piltz besitzt sicherlich den Respekt seiner Vorstandskollegen – zu denen auch die Vorstandsvorsitzenden der großen Veba-Töchter gehören. Die Autorität v. Bennigsens muß er sich erst noch erwerben. Der hatte seine Leute so weit im Griff, daß er den Konzern beinahe mit Blicken regieren konnte; seine Autorität hätte Piltz bei Auseinandersetzungen im Vorstand den Rücken gestärkt.

Für v. Bennigsen war eine Unternehmensführung vor allem Personalpolitik, ihm ging es darum, den fachlich richtigen und zugleich loyalen Mann an die richtige Stelle zu setzen. Piltz braucht auf diesem Feld vorerst nicht tätig zu werden, Neubesetzungen stehen nicht an.

Hubert Heneka bei Veba Oel, Hans-Jürgen Knauer bei Stinnes und Carl Heinrich Krauch bei Hüls gehören allesamt zum Jahrgang 1932, haben also noch gut und gerne fünf Dienstjahre vor sich. Hermann Krämer, der Vorstandsvorsitzende von Preussen Elektra zählt wie Piltz zum Jahrgang 1935. Ulrich Hartmann schließlich, der seit dem 1. Januar zusätzlich zu seiner Funktion im Vorstand von PreussenElektra Mitglied im Veba-Vorstand ist und als Piltz-Nachfolger im Amt des Finanzchefs gehandelt wird, ist noch drei Jahre jünger.